Fallstudie Filmmarketing in sozialen Netzwerken, Teil 2: Die IRON SKY Fanpyramide

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The second part of the analysis of the IRON SKY marketing. This blog post attempts a categorisation of the potential audience for a movie and how they interact with a film online and via social media.

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The Truth Today online“Nazis auf dem Mond - Space Nazis on the Moon!” Ein Zeitungsjunge in Tweedhose und mit Schiebermütze steht  vor dem Martin-Gropius-Bau, wo der European Filmmarket abgehalten wird, und verteilt eine Zeitung namens “The Truth”. Ich lasse mir ein Exemplar von ihm geben und tatsächlich, da steht was von Nazis auf dem Mond. Die Zeitung sieht ziemlich selbst gemacht aus, auf den vier Seiten finden sich lauter Artikel, an denen Leute offensichtlich viel Spaß beim Schreiben hatten (z.B. “German Biologist killed in Freak Accident by Extinct Bird”). Wieder daheim, google ich sogleich nach den Spacenazis. Das war zur Berlinale 2009 und so habe ich zum ersten Mal von dem Filmprojekt IRON SKY erfahren. Der Humor der Website trifft den meinen, die Ästhetik finde ich passend und sehr unterhaltsam. Insgesamt unterscheidet sich die Website deutlich von den gängigen Filmseiten. So kaufe ich zwar keine Kriegsanleihen (für 50€ bekommt man eine DVD von dem noch zu drehenden Film, Poster und einige andere Merchandise-Artikel und hilft gleichzeitig dem Team mit der Finanzierung der Produktion), recherchiere jedoch ein wenig den Hintergrund des Teams, wie in Teil 1 des Artikels über das Marketing von IRON SKY beschrieben. Im ersten Teil des Artikels habe ich die verschiedenen Kommunikationskanäle und wie diese vom IRON SKY-Team genutzt werden, beleuchtet. Heute soll es darum gehen, wie sich das nun aus der Sicht des Publikums darstellt.

Aus Neugierigen werden Fans

Eines der häufig genutzten, aber grob vereinfachenden Modelle, um die Aktivitäten von Leuten in sozialen Netzwerken zu beschreiben, ist das Pyramidenmodell. Jeweils 10% der Nutzer von einer Ebene schaffen es auf die nächst höhere. Je weiter man nach oben in die immer dünner werdende Spitze gelangt, desto höher die Aktivität und das Engagement der Nutzer. Die breite Basis der Pyramide wird von rein passiven, nur mitlesende Menschen gebildet. So weit, so offensichtlich.

Gut dargestellt wurde das z.B. von den Damen und Herren bei Technology in the Arts, wie in einer kürzlich veröffentlichten Präsentation zu sehen ist. In Anlehnung an deren Modell und Darstellung habe ich versucht, deren Pyramide auf das Filmmarketing und den speziellen Fall von IRON SKY zu übertragen. Da Filmkritiken ja auch immer diese unsäglichen 1 bis 5 Sterne Bewertungen haben, dachte ich, dass es ganz passend wäre, die verschiedenen Fanebenen entsprechend einzuteilen und zu beschreiben. Die englischen Begriffe in Klammern weisen auf die von Technology in the Arts verwendeten Kategorien hin.

Also, mit der Ausgabe von “The Truth” in der Hand vor einem Jahr fing ich als 1-Sterne-Besucherin an.

1 Stern - einmalige Besucher (”Spectator”): Irgendwie hört man was von diesem Projekt - entweder, weil man in der Facebook-Status-Leiste sieht, das ein Freund jetzt Fan von IRON SKY ist, oder man erhält den Link zur Website gemailt (so wie ich das dann sogleich nach dem ersten Googlen getan habe und damit auf die Ebenen 2 und 3 der Pyramide empor kletterte). Man schaut sich vielleicht den Teaser an, schaut sich kurz auf der Website um und informiert sich über den geplanten Film. Alexa weist aus, dass etwa 20% der Ironsky-Website-Besucher über eine Suchmaschine dorthin gelangen (Suchbegriffe ironsky oder moon nazis). Youtube weist über eine Million Views für den Teaser aus, der Einfachheit halber - und damit extrem niedrig angesetzt - nehmen wir diese Zahl als Basis für die Pyramide: 1.000.000.

Der 2 Sterne registrierte Fan (”Joiner): Von dieser Masse an Leuten werden 10% etwas aktiver, indem sie beispielsweise Fan von Ironsky auf Facebook oder Twitter werden. Diejenigen, die sich über eines der sozialen Netzwerke mit Ironsky verbinden, können dann tatsächlich schon als Fans bezeichnet werden. Sie erhalten mindestens alle ein bis zwei Wochen Updates über die Entwicklung der Filmproduktion und werden, wenn der Film in die Kinos kommt, bereits mit den Hauptcharakteren und dem Plot vertraut sein. Wenn ich mich bewußt dafür entscheide, über 6 Monate oder gar 2 Jahre die Entwicklung einer Filmproduktion zu verfolgen, ist die Wahrscheinlichkeit doch sehr hoch, dass ich dann am Ende auch ins Kino gehe, wenn der Film endlich distribuiert wird (geplanter Filmstart für IRON SKY ist in 2011). Hier scheinen mir die 10% allerdings sehr hoch gegriffen, da sich die Summe der Abonnenten, Follower etc. auf den diversen Plattformen auf etwa 14.000 (ohne Flickr) beläuft, also eher 1-2% ausmacht. Wie die weiteren Zahlen zeigen werden, ist der Schwund vom 1-Sterne zum 2-Sterne-Fan am größten.

Der 3 Sterne bewertende & kommentierende Fan (”Collectors & Critics”): Von diesen registrierten Fans werden wiederum ca. 10% mal einen Kommentar hinterlassen, für ein künftiges Screening in der eigenen Stadt abstimmen, eine Video- oder Fotobewertung auf Youtube/Flickr abgeben und ganz sicher auch ihren Freunden von diesem neuen Filmprojekt berichten. Das geschieht dann, indem ein Link zum Teaser, zur Website oder ähnlichem verschickt wird. Auf der IRON SKY Website kann man für eine Vorführung des Films in der eigenen Stadt stimmen, etwa 4.000 Leute haben das getan. Bei Facebook habe ich mir mal alle Profileinträge angeschaut, die ohne weiter zu klicken zu sehen sind und ausgerechnet, wieviele Kommentare im Durchschnitt hinterlassen werden (11 Kommentare pro Eintrag bei knapp 9.000 Fans). Zwischen 22.12. und 05.03. wurde durchschnittlich alle 2,6 Tage ein neuer Post bei Facebook veröffentlicht, dieser jeweils 11 mal kommentiert, macht auf’s Jahr gerechnet 1.500 Kommentare, aber eben natürlich nicht von 1.500 verschiedene Leuten. Wenn man nun allerdings noch die “Find ich gut”-Bewertungen bei Facebook und sämtliche Bewertungen bei anderen Netzwerken, Abstimmungen für Filmvorführungen etc. dazu addiert, liegen wir grob geschätzt irgendwo zwischen 20% und 40%.

Der 4 Sterne Aktivfan (”Creator”): Hier wird meiner Meinung nach eine wichtige Schwelle überschritten: aus einem passiven, “nur interessierten” Fan wird jemand, der irgendwie aktiv werden möchte und ein besonders hohes Interesse an dem Film hat. Das können diejenigen sein, die Kriegsanleihen oder Merchandise kaufen und/oder regelmäßig Tweets von Energia retweeten oder auf ihrem Blog immer mal wieder darüber berichten oder dorthin verlinken. Das sind diejenigen, die auf jeden Fall selbst ein Kinoticket kaufen werden. Aber der 4 Sterne-Fan fungiert auch als Multiplikator, indem er aktiv andere auf den Film aufmerksam macht. Letztlich kann sich eine Filmproduktion nur über verkaufte Kinotickets und DVDs refinanzieren, insofern ist der 4 Sterne Fan in zweifacher Hinsicht besonders wichtig: als potentieller Kinobesucher und als Multiplikator. Bei der Google-Blog-Suche findet man derzeit etwa 15.000 Treffer für Ironsky, davon sind etwa 30% nicht relevant, macht etwa 10.500 Blogeinträge. Bisher habe ich noch keinen Weg gefunden, wie man die Anzahl von Tweets herausfinden kann zu bestimmten Themen / Hashtags (Nachhilfe ist gerne willkommen!). Aber auch ohne Tweets zeigen die 10.500 Blogeinträge, dass das 10% Modell hier schon überhaupt nicht mehr zutrifft…

Der 5 Sterne Mitmachfan (”Collaborator”): die Königsklasse, die besonders gepflegt werden sollte, die aber auch zum harschen Kritiker werden kann. Das sind Menschen, die sich nicht nur für den Film interessieren, sondern sich auf irgendeine Weise damit identifizieren und diesen aktiv mitgestalten möchten, so man sie lässt. Im Nachgang zu ihrem ersten Film “Starwreck” haben die Finnen die Plattform Wreckamovie gemeinsam mit einer Partner-Firma entwickelt. Wreckamovie versteht sich als kollaborative Filmproduktionsplattform. Iron Sky ist einer der dort eingetragenen Filme, und über diese Plattform werden die Fans immer wieder zum Mitmachen aufgefordert. Dafür werden Aufgaben / Tasks bei Wreckamovie gepostet: Mal werden Statisten gesucht, mal gibt es Recherche-Aufträge aus dem Art Department: wie sehen die Einschlaglöcher von gewöhnlicher Munition in Metall aus oder Anregungen und Bilder werden gesucht, wie die Explosion eines mit “Helium 3″ (einem fiktiven Antriebsmittel) betriebenen Raumschiffs aussehen könnte. Auch die eingangs erwähnte Zeitschrift “The Truth” wurde über Wreckamovie entwickelt. Titel und Logo der Zeitung waren von den Fans gestaltet worden, ebenso schrieben sie diverse Artikel. Wreckamovie weist 1.400 Mitglieder für die IRON SKY Produktion aus (auch da liegen wir also deutlich über den 10%). Eine andere beliebte Variante, um Fans einzubinden und auch ihnen etwas zurück zu geben sind Remixe. Man stellt Musik- oder Videomaterial bereit und bittet die Fans darum, daraus etwas neues zu bauen. Vom IRON SKY Trailer finden sich immerhin 44 Remixe in der entsprechenden Playlist von Energia Productions.

Noch ein Wort zu den 5-Sterne-Fans aus denen manchmal Kritiker werden: Bei Starwreck haben mehrere Tausend Leute Raumschiffmodelle entworfen, CGI-Effekte gebastelt, 30 Sprachversionen übersetzt usw. Vor allem als Tribut und Dank an die überwältigende Unterstützung der Fans wurde Starwreck kostenlos zum Download ins Netz gestellt und wurde so zum meist gesehenen finnischen Film aller Zeiten. Doch für Ironsky hatten die Macher andere Ambitionen. Dieses Mal wollten sie eine große Filmproduktion auf die Beine stellen. Zur Finanzierung dieses vier bis fünf Millionen Euro Unterfangens wurden Produzenten an Board geholt, Filmförderung beantragt usw. Deshalb ist klar, dass Ironsky nicht zum kostenlosen Download angeboten werden wird. Darüber sind eine ganze Reihe von Starwreck-Fans nicht besonders glücklich, der Begriff vom “Sellout” machte die Runde. Gerade die kollaborative Filmproduktion und die kostenlose Verbreitung hatten Starwreck zu einem ganz besonderen Projekt gemacht. Die Macher begegneten dieser Kritik mit Verständnis, aber auch einem klaren eigenen Standpunkt: Wir wollen als Filmemacher jetzt einen anderen Film machen, haben einen anderen qualitativen und ästhetischen Anspruch an die neue Produktion. Deshalb sind die kollaborativen Aspekte der Ironsky-Produkion deutlich kleiner, hier sind erfahrene Filmleute am Werk, die dafür auch bezahlt werden. Deshalb ist dies eben auch ein Artikel über Filmmarketing und nicht über kollaborative Filmproduktion.

Die größte Herausforderung: Wie werden beiläufig Interessierte zu Fans?

Zu allererst gilt es festzustellen, dass diese Annahme, dass etwa 10% der Leute von einer Stufe zur nächsten wechseln, völliger Quatsch ist. Wie die Analyse der Zahlen gezeigt hat, scheint die höchste Hürde die zu sein, die Leute von Stufe 1 zu Stufe 2 zu bekommen. All jene, die zum ersten Mal auf der Filmwebsite, dem Film-Facebook-Profil, beim Filmtrailer auf Youtube landen, dazu zu bewegen, sich länger als nur für wenige Sekunden für den Film zu interessieren. Wie die Analyse im ersten Teil dieser Fallstudie gezeigt hat, sind auf der Website die Links zu den Präsenzen bei sozialen Netzwerken prominent platziert, bei Facebook, Twitter und Co. ist es ohnehin einfach, gleich Fan zu werden. Diese Lehre ist also so simpel wie wesentlich: Den Interessierten muss es leicht gemacht werden, sich mit dem Film in irgendeiner Form zu verlinken (und ich muss wohl auch noch mal an das Design für dieses Blog ran *Haare rauf*).

Das ist für mich die erstaunlichste Erkenntnis dieser Analyse: Wie viele Menschen bereit sind, Zeit, Hirnschmalz, Kreativität für einen Film anderer Leute aufzuwenden. Wenn man sie einmal für das eigenen Projekt gewonnen hat, dann sollte man ihnen so viele verschiedene Möglichkeiten, wie einem nur einfallen, bieten, um in irgendeiner Form aktiv zu werden. Der eigenen Kreativität und der der Fans sind dabei keine Grenzen gesetzt!

“Mehr 3D-Effekte als Avatar”

Wie berichtet, arbeiten Studierende der Hochschule für Film und Fernsehen “Konrad Wolf” Babelsberg am ersten Real-3D-Film einer deutschen Filmhochschule. “Topper gibt nicht auf!” ist derzeit in den letzten Zügen der Postproduktion und wird am 26.03. seine Erstaufführung bei der internationalen Fachkonferenz INSIGHT OUT / HFF Academy haben. Die Premiere gibt es dann im April in Berlin, genauere Infos dazu folgen.

Das Brancheninteresse und die Resonanz der Medien ist erstaunlich hoch für eine studentische Kurzfilmproduktion. Gestern erschien bereits der zweite Artikel zu Topper in der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Um nicht als komplett großspurig dazu stehen: das “Mehr” an 3D-Effekten bezieht sich natürlich auf den Anteil an Realfilm-3D-Aufnahmen. Avatar war ja eben zum allergrößten Teil doch aus dem Computer mit der vollständig in CGI-Technik erstellten blauen Welt auf Pandora. Einzig die Aufnahmen in dem Menschen-Raumschiff-Camp waren stereoskopischer Realfilm. Da hat Topper tatsächlich mehr Realfilm-3D-Anteile aufzuweisen ;-)

Fallstudie Filmmarketing in sozialen Netzwerken Teil 1: Die Kommunikationskanäle von IRON SKY

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A look at the marketing of IRON SKY, a Finnish sci-fi comedy scheduled for release in 2011. The IRON SKY team decided on focusing their marketing efforts on social media and online tools, aiming to build a significant awareness about the film before shooting starts in summer 2010. This blog post analyses their use of various communication channels and how this can serve as an inspiration for other filmmakers.

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Vor zwei Wochen hatte ich das Glück, einen Vortrag von Jarmo Puskala rund um das Community-Management für IRON SKY zu hören. Da die Finnen wirklich alles richtig machen, was das online Marketing ihres noch in der Preproduction befindlichen Filmes angeht, möchte ich das hier als Fallstudie vorstellen. Wie können Filmemacher schon lange vor Drehbeginn anfangen, sich eine Fanbasis, ein Publikum für ihren Film aufzubauen? Ein finnisches Beispiel.

Entscheidung gegen klassische Werbung und für online Marketing

Der Film wird voraussichtlich in 2011 in europäische Kinos kommen. Zu Beginn der Planung vor etwa 2 Jahren bereits hat sich das Team dafür entschieden, ihre Marketingaktivitäten auf das Web zu konzentrieren. Die Rechnung war einfach: “Anstatt eines TV-Spots oder einer Plakatkampagne an Bushaltestellen beschäftigen wir lieber zwei Leute, die sich um die Community und die online Aktivitäten kümmern. Das ist vom Preis her etwa dasselbe”, so Jarmo Puskala Community Manager, Teil des Drehbuchteams und derjenige, der die ursprüngliche Idee für einen Film über Nazis auf dem Mond hatte.

Starwreck

Starwreck

Doch jedes Mal, wenn ich hier das Wort “Marketing” tippe, verkrampfen meine Finger. Denn das Ironsky-Team war anno 1997 eine finnische Gruppe von Startrek-Fans, die kurze Parodie-Videos über ihre Lieblingsserie produzierten. Daraus wurde irgendwann der Spielfilm STARWRECK, der mit Hilfe von 3000 Freiwilligen entstand - und mit 8 Millionen Downloads und mehreren 10.000 verkauften DVDs der meist gesehene finnische Film aller Zeiten ist. Die Jungs kommen also nicht aus der Film-/Fernsehbranche, sondern sind Quereinsteiger, die seit Starwreck das Internet nutzen, um gemeinsam mit der Community einen Film zu realisieren.

Die Kommunikationskanäle

Noch immer haben viele Filme nur eine Website mit den wichtigsten Infos. Häufig hübsch gestaltet und voller Flash, vielleicht sogar noch die Möglichkeit bietend, einen Newsletter zu abonnieren oder einige Bildchen runterzuladen. Doch mehr gibt’s nicht. Bei IRON SKY reicht die Bandbreite von allen wichtigen Informationen, die es auf der Website zu finden gibt, über Präsenzen in allen wichtigen sozialen Netzwerken, bis hin zur Möglichkeit, sich an der Produktion mit Geld - sogenannten Kriegsanleihen - oder Zeit und den eigenen Fähigkeiten einzubringen. Jarmo Puskala erläuterte die Wertigkeit der verschiedenen Plattformen und wie diese vom IRON SKY-Team genutzt werden, um eine Community für ihren Film, der derzeit noch in der Preproduction ist, aufzubauen.

Website - passives Pushmedium mit Aufforderung aktiver zu werden, höchster Grad an Seriosität: schlichte, informative Seite, die mit viel und regelmäßig aktualisiertem Content punktet.  Die Links zu Facebook, Twitter und Co. sind unübersehbar eingebunden. Mir persönlich gefällt die ironische und zum Film passende Ästhetik der Grafik sehr gut. Prominent platziert sind diverse Buttons, die die Besucher zum Aktiv-Werden auffordern: Über eine Google-Maps-Karte kann man sein Interesse bekunden, in der eigenen Stadt den Film zu sehen (und kann damit potentiellen Verleihern beweisen, dass es ein Publikum für den Film gibt). Man kann “Kriegsanleihen” kaufen, sprich die Produktion mit 50€ unterstützen, für die man dann einiges an Bonusmaterial (DVD, Zertifikat etc.) erhält.

Twitter - der informellste Kanal: Der Twitter-Feed, der unter dem Namen der finnischen Filmproduktionsfirma Energia läuft, wird mehrmals täglich in recht umgangssprachlichem Tonfall aktualisiert. Dazu gehören unterhaltsame Infos zu den Produktionsvorbereitungen (Tweets vom Casting in Berlin), unterhaltsame Videos, über die das Ironsky-Team im Netz gestolpert ist, oder auch Alltägliches (”The retards upstairs flooded their toilet. Water coming in through our hallway ceiling LIGHT SOCKET.”) oder auch Kommentare zu den Themen, die dem Team am Herzen liegen (”Two years in a federal pound-in-the-ass-prison for pirating movies? http://bit.ly/bUtF1X In Oz that guy would be dead within 2 episodes.”). Knapp 1.300 Follower.

Facebook - etwas formeller: Auf der Facebook-Seite werden ein bis zwei Mal pro Woche Updates gepostet, die vom Ton und Informationsgehalt wesentlich formeller sind als der Twitter-Kanal. Hier werden vor allem Links zu neuen Videos veröffentlicht, Anfragen an die Community zur Unterstützung (siehe dazu auch unten wreckamovie.com) oder auch eine gelegentliche Umfrage (Wie häufig wollt Ihr hier Updates erhalten?). Zurzeit gut 8.500 Fans, bis zum Produktionsbeginn im Sommer werden 10.000 angestrebt.

MySpace: ähnlich wie die Facebook-Seite, allerdings mit deutlich weniger Fans (gut 2.000).

Youtube - gelegentliche Video-Updates: In größeren Abständen - mal einige Wochen, mal einige Monate - werden auf einem eigenen Youtube-Kanal Vidoes veröffentlicht unter dem Namen “Signal No. XX”. Dort findet man auch den Teaser, Videos vom Team beim Cannes Filmfestival etc. Die “Signal-Videos sind zwischen 3 und 5 Minuten lang, haben eine eigene Hostess und sind an den Look des Films angepasst (die Hostess im Space-Nazi-Kostüm in einem irgendwie 30′er Jahre angehauchten Studio, die Nachrichten über die Filmproduktion vorträgt). Der Kanal hat über 2.200 Abonennten, wobei der Filmteaser mit über 1 Million Views absolut top ist.  Schön auch die Playlist mit den Fanremix-Versionen des Teasers.

Flickr - Fotostream als Blick hinter die Kulissen: Sortiert in verschiedene Alben (Cast, Location Scouting & Casting in Deutschland, Making of, Concept Art etc.) finden sich über 200 Fotos, die durchgängig auch gut beschriftet sind und so schon einen ersten Blick in die Filmproduktion vermitteln. Beispielsweise von der Suche nach einer passenden Location für das Nazi-Raumschiff auf dem Mond, gefunden in Frankfurt a.M.

Wreckamovie - kollaborative Filmproduktion: Im Nachgang zu ihrem ersten Film STARWRECK, haben die Finnen die Plattform Wreckamovie gemeinsam mit einer Partner-Firma entwickelt, die sich als kollaborative Filmproduktionsplattform versteht. IRON SKY ist einer der dort eingetragenen Filme, und über diese Plattform werden die Fans immer wieder zum Mitmachen aufgefordert. Dafür werden Aufgaben / Tasks bei Wreckamovie gepostet: Mal werden Statisten gesucht, mal gibt es Recherche-Aufträge aus dem Art Department: wie sehen die Einschlaglöcher von gewöhnlicher Munition in Metall aus oder Anregungen und Bilder werden gesucht, wie die Explosion eines mit “Helium 3″ (einem fiktiven Antriebsmittel) betriebenen Raumschiffs aussehen könnte. Besonders gelungen fand ich auch das Guerilla-Marketing bei den Filmfestspielen in Berlin und Cannes, wo ein Zeitungsjunge im Stil der 20′er Jahre die Zeitschrift “The Truth” verteilte (Schlagzeile: “Nazis auf dem Mond!”), in der lauter fiktive Berichte über die Spacenazis erschienen. Titel und Logo der Zeitung waren von den Fans gestaltet worden, ebenso schrieben sie diverse Artikel. Wreckamovie weist 1400 Mitglieder der IRON SKY Produktion aus.

Soziale Netzwerke als Marketinginstrumente für einen Film

Bemerkenswert ist die klare Strategie für den Aufbau einer Community und wie diese konsequent umgesetzt wird. Das habe ich bisher selten bei europäischen Filmproduktionen gesehen und mir scheinen die Gehälter für die beiden Community-Manager bestens angelegt zu sein. Ein “Gegen”-Argument, welchem ich immer wieder in der Filmbranche begegne, lautet etwa so: “Ja, für so Sci-Fi- und Horrorstreifen mag das ja funktionieren, aber doch nicht für ein Arthouse-Drama oder Dokumentarfilme.” Ich halte das für Blödsinn. Gerade aus dem Dokumentarfilmbereich gibt es einige sehr erfolgreiche Beispiele, die zeigen, wie über das Netz und ein geschicktes Community-Management (online und offline) ein Publikum für einen Film gefunden werden konnte, der ausschließlich auf DVD erschien und keinen Kinoverleiher fand, trotzdem mehr als die Produktionskosten für die Macher wieder eingespielt hat. Der Schlüssel zum Erfolg lag hier darin, sich mit Communities zu verbinden, die an dem Thema des Films interessiert sind.

Ein gutes Beispiel dafür ist WEIZENBAUM - REBEL AT WORK von Sylvia Holzinger und Peter Haas über einen der Väter des Internets und Helden für viele in der IT-Branche. Der Film hatte weder einen Kinoverleih, noch konnte er an einen Fernsehsender verkauft werden. Die beiden Filmemacher konnten jedoch über DVD-Verkäufe, Vorträge und vor allem durch Vorführungen in Universitäten, viel Pressearbeit etc. über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren ihre bescheidenen Lebensunterhaltskosten bestreiten, die Produktionskosten einspielen und auch noch das nötige Startkapital für ihren nächsten Film erwirtschaften.

Ein Spielfilm, der mir noch als Gegenbeispiel einfällt, ist Andreas Dresens WOLKE 9, ein Film über die Liebe und Sexualität im Alter. In einem Gespräch über seine Filme berichtete Dresen, dass er mit WOLKE 9 offensichtlich ein ganz wichtiges, aber wenig in der Öffentlichkeit behandeltes Thema gefunden hatte, wie ihm die vielen Einladungen zu Filmgesprächen zeigten, die er gerade für WOLKE 9 erhielt. Jedes Mal fanden sich dort zahlreiche Zuschauer im Alter der Filmprotagonisten ein, die angeregt über das Thema nach der Filmvorführung diskutierten und immer wieder feststellten, wie froh und dankbar sie seien, dass sich Dresen auf diese einfühlsame und doch offene Art und Weise des Themas angenommen hatte. Zwar hat der Film auch ohne größere Anstrengungen des Verleihers in Sachen Vermarktung an bestimmte Communities sein Publikum gefunden, doch die meisten Filmemacher in Deutschland haben nicht die Reputation eines Andreas Dresen und hätten über online und offline Kanäle einen Film zum gleichen Thema sicherlich auch gut platzieren können.

Mit anderen Worten: Ja, IRON SKY ist zwar eine ziemlich durchgeknallte Sci-Fi-Komödie von einem Haufen schwarz-humoriger Finnen, doch ihr kluger und konsequenter Einsatz von Web2.0 kann auch als Vorbild für andere Filmproduktionen dienen, schon vor Drehbeginn sich eine Gemeinde aufzubauen. Ich denke, dass dies gerade auch für kleinere Produktionen ein guter Weg sein kann, frühzeitig das Publikum einzubeziehen, um dann mit Hilfe einer prallen Kontaktdatenbank potenziellen Verleihern und Fernsehsendern zu belegen, dass es tatsächlich ein Publikum für diesen Film gibt.

Im nächsten Blogbeitrag, der in einigen Tagen erscheinen wird, möchte ich dann noch auf die verschiedenen Aktivitätslevels der am Film interessierten und der echten Fans eingehen. Während ich in diesem Beitrag eher die Perspektive der Macher gewählt habe und wie diese die verschiedenen Kanäle nutzen, soll im nächsten Beitrag der Blickwinkel des potentiellen Kinobesuchers von IRON SKY im Vordergrund stehen.

Der erste Real-3D-Film einer deutschen Filmhochschule!

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Students at Germany's largest and oldest filmschool, HFF "Konrad Wolf" - my employer, have shot the first live action 3D film of a German filmschool: "Topper doesn't give up!". Topper is an 18-minute drama, for which we are currently trying to find an audience and distributor with next to no marketing budget...

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Filmstill Topper gibt nicht auf!

Filmstill "Topper gibt nicht auf!"

An der Hochschule für Film und Fernsehen “Konrad Wolf” Babelsberg, meinem freundlichem Arbeitgeber, haben Studierende den ersten real-3D-Film einer deutschen Filmhochschule gedreht: “Topper gibt nicht auf!“. Derzeit befindet sich der Film noch in der Postproduktion, morgen gibt es hoffentlich die finale Schnittsichtung.

Mit einem quasi nicht-vorhandenen Marketingbudget versuchen wir, ein Publikum und einen Verleih für dieses erste Drama in 3D, einen 18-minütigen Kurzfilm, zu finden. Star des Films ist der 80′er Jahre Actionheld Till Topper, der sich gerade auf einem anstrengenden Dreh in Afrika befindet und von dort Unterhaltsames twittert

Rückblick: Berlinale Streetdance 3D Podium 15.02.2010

Es war ein kalter, frostiger Montagmorgen nach dem ersten Festivalwochenende und doch kamen etwa 100 Leute zur Preview und Diskussion über Streetdance 3D in das Cubix am Alexanderplatz. Die Zeit war knapp: in 80 Minuten zeigten wir Filmausschnitte und sollten einen Überblick über die 3D-Produktion für das anwesende Fachpublikum aus Filmemachern, Produzenten, Regisseuren, Kameraleuten usw. geben. Keine einfache Aufgabe! Als Moderatorin hat man natürlich eine ziemlich verzerrte Wahrnehmung von so einer Veranstaltung, doch ich hoffe, dass es uns auf dem Podium gelungen ist, den Filmschaffenden ein wenig die Angst vor 3D zu nehmen. Von Max Penner, einem unendlich erfahrenen Veteran des 3D-Kinos, mal abgesehen, war es für das Team von Streetdance 3D auch der erste Film, den sie in 3D gedreht haben - und das mit einem vergleichsweise niedrigen Budget unter 5 Millionen Euro. Die Bilder des Films, die gezeigt wurden, waren jedoch so überzeugend, dass sich in Zukunft hoffentlich mehr Leute trauen, einen 3D-Film zu machen. Es wäre doch zu schön, außer Horror und Family-Entertainment auch andere Genres zu sehen!

Hier noch ein paar Links zu Artikeln über die Veranstaltung bzw. wo sie erwähnt wird:

Berlinale-Diskussion zum 3D-Kino am Montag, 15.02.

[en]

I am happy to announce the discussion at Berlinale and Berlinale Talent Campus about 3D-filmmaking, which I will host on Monday, 15/02, 11am at Cubix 7. A preview of Streetdance 3D, Europe's first feature-length live action 3D movie, will be followed by a discussion with the stereographer, producer, post-production supervisor and a specialist from Dolby.

[de]

Ich freue mich, auch hier die Berlinale-Diskussion zur ersten großen europäischen Realfilm-3D-Produktion ankündigen zu können, die von meiner Wenigkeit moderiert werden wird:

Streetdance 3D

Wann: Montag, 15.02.2010, 11:00Uhr
Wo: Cubix 7
Mit: Max H. Penner, Julian Pinn, Michael Reuter, James Spencer
Moderation: Jennifer Hoffmann
Karten: akkreditierte Besucher können diese direkt bei der Berlinale bestellen.

Meines Wissens ist es die einzige Veranstaltung der Berlinale zum Thema 3D, die vom Berlinale Talent Campus organisiert wurde. Und natürlich wird es das Filmmaterial und auch einiges an Making-of-Bildern in 3D zu sehen geben!

Für das Podium wurde eine spannende und erfahrende Runde zusammengestellt:

Streetdance 3D ist eine deutsch-britische Koproduktion von Vertigo-Films, die im Mai diesen Jahres in die Kinos kommen wird. Eine Gruppe junger Streetdancer, die für die britischen Meisterschaften trainiert, trifft auf Balletttänzer. Britischer Klassenkampf beim Pas de Deux: die lower class der Streetdance Kids trifft auf die upper class in Strumpfhosen. Doch nur gemeinsam haben sie eine Chance bei den Meisterschaften. Die Tänzer sind zumindest den Briten allesamt aus diversen TV-Castingshows bekannt. Die Ballettlehrerin wird von Charlotte Rampling gespielt.

Ich hatte das Privileg, bereits bei der Post Republic längere Ausschnitte aus dem Film in 3D sehen zu dürfen: diese waren wirklich mitreißend und sahen fantastisch aus. Tanz hat auf der Bühne schon von jeher in 3 Dimensionen stattgefunden und so ist ein 3D-Tanzfilm ein Fest für das Kinopublikum. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf den Film und natürlich die Diskussion am Montag…

Kultursponsoring im Wirtschaftskrisenjahr: In jedem Sessel ein potentieller Kunde?

VW hat zwei wichtige, millionen-schwere Kultursponsoringverträge nicht verlängert in diesem Jahr: mit der Berlinale, wo VW einer von 3 Hauptsponsoren war, und mit der Deutschen Oper Berlin. Von VW ist dazu wenig zu vernehmen. „In jedem Sessel sitzt ein potentieller VW-Kunde“ – so lautete noch die Sponsoringvision anno 2004. Sehen die Wolfsburger das mittlerweile grundlegend anders? Offizielle Antworten gibt es nicht. Aber ein Blick auf die VW-Pressemeldungen der letzten Monate zeigt, dass Kultur weiterhin gefördert wird.

Lassen sich am Beispiel VWs irgendwelche Trends zum Kultursponsoring in der Wirtschaftskrise ablesen? Ich denke schon. Jedoch muss ich einschränken, dass ich über die Sponsoringstrategie VWs nur spekulieren kann, da diese natürlich nicht veröffentlicht ist. Bei näherer Analyse zeigt sich, dass solche Verträge nicht verlängert wurden, die m.E. nicht zum Image der Marke passten. VW ist weder glamourös (=> Berlinale) noch bildungsbürgerlich-elitär (=> Deutsche Oper Berlin). Oder wie es VW selbst formuliert in der Pressemeldung zum Sponsoring der Lolas: „Das Engagement Volkswagens beim Deutschen Filmpreis reicht weit über den Fahrservice hinaus. Die Volkswagen Sound Foundation lädt zur Aftershow Party [...]. Zudem wird es am Abend die legendäre Volkswagen Currywurst aus Wolfsburg geben.“ Abwrackprämie, Tatortkommissare, ein paar deutsche Filmsternchen und Currywurst – das passt besser zum Golf als die Berlinale People’s Night, laut des Filmbranchenblatts Variety „one of the fest’s hottest parties“, die in diesem Jahr kurzfristig abgesagt wurde, da VW seine Unterstützung dafür zurückzog.

Was lernen wir daraus?