“Mehr 3D-Effekte als Avatar”

Wie berichtet, arbeiten Studierende der Hochschule für Film und Fernsehen “Konrad Wolf” Babelsberg am ersten Real-3D-Film einer deutschen Filmhochschule. “Topper gibt nicht auf!” ist derzeit in den letzten Zügen der Postproduktion und wird am 26.03. seine Erstaufführung bei der internationalen Fachkonferenz INSIGHT OUT / HFF Academy haben. Die Premiere gibt es dann im April in Berlin, genauere Infos dazu folgen.

Das Brancheninteresse und die Resonanz der Medien ist erstaunlich hoch für eine studentische Kurzfilmproduktion. Gestern erschien bereits der zweite Artikel zu Topper in der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Um nicht als komplett großspurig dazu stehen: das “Mehr” an 3D-Effekten bezieht sich natürlich auf den Anteil an Realfilm-3D-Aufnahmen. Avatar war ja eben zum allergrößten Teil doch aus dem Computer mit der vollständig in CGI-Technik erstellten blauen Welt auf Pandora. Einzig die Aufnahmen in dem Menschen-Raumschiff-Camp waren stereoskopischer Realfilm. Da hat Topper tatsächlich mehr Realfilm-3D-Anteile aufzuweisen ;-)

Fallstudie Filmmarketing in sozialen Netzwerken Teil 1: Die Kommunikationskanäle von IRON SKY

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A look at the marketing of IRON SKY, a Finnish sci-fi comedy scheduled for release in 2011. The IRON SKY team decided on focusing their marketing efforts on social media and online tools, aiming to build a significant awareness about the film before shooting starts in summer 2010. This blog post analyses their use of various communication channels and how this can serve as an inspiration for other filmmakers.

[de]


Vor zwei Wochen hatte ich das Glück, einen Vortrag von Jarmo Puskala rund um das Community-Management für IRON SKY zu hören. Da die Finnen wirklich alles richtig machen, was das online Marketing ihres noch in der Preproduction befindlichen Filmes angeht, möchte ich das hier als Fallstudie vorstellen. Wie können Filmemacher schon lange vor Drehbeginn anfangen, sich eine Fanbasis, ein Publikum für ihren Film aufzubauen? Ein finnisches Beispiel.

Entscheidung gegen klassische Werbung und für online Marketing

Der Film wird voraussichtlich in 2011 in europäische Kinos kommen. Zu Beginn der Planung vor etwa 2 Jahren bereits hat sich das Team dafür entschieden, ihre Marketingaktivitäten auf das Web zu konzentrieren. Die Rechnung war einfach: “Anstatt eines TV-Spots oder einer Plakatkampagne an Bushaltestellen beschäftigen wir lieber zwei Leute, die sich um die Community und die online Aktivitäten kümmern. Das ist vom Preis her etwa dasselbe”, so Jarmo Puskala Community Manager, Teil des Drehbuchteams und derjenige, der die ursprüngliche Idee für einen Film über Nazis auf dem Mond hatte.

Starwreck

Starwreck

Doch jedes Mal, wenn ich hier das Wort “Marketing” tippe, verkrampfen meine Finger. Denn das Ironsky-Team war anno 1997 eine finnische Gruppe von Startrek-Fans, die kurze Parodie-Videos über ihre Lieblingsserie produzierten. Daraus wurde irgendwann der Spielfilm STARWRECK, der mit Hilfe von 3000 Freiwilligen entstand - und mit 8 Millionen Downloads und mehreren 10.000 verkauften DVDs der meist gesehene finnische Film aller Zeiten ist. Die Jungs kommen also nicht aus der Film-/Fernsehbranche, sondern sind Quereinsteiger, die seit Starwreck das Internet nutzen, um gemeinsam mit der Community einen Film zu realisieren.

Die Kommunikationskanäle

Noch immer haben viele Filme nur eine Website mit den wichtigsten Infos. Häufig hübsch gestaltet und voller Flash, vielleicht sogar noch die Möglichkeit bietend, einen Newsletter zu abonnieren oder einige Bildchen runterzuladen. Doch mehr gibt’s nicht. Bei IRON SKY reicht die Bandbreite von allen wichtigen Informationen, die es auf der Website zu finden gibt, über Präsenzen in allen wichtigen sozialen Netzwerken, bis hin zur Möglichkeit, sich an der Produktion mit Geld - sogenannten Kriegsanleihen - oder Zeit und den eigenen Fähigkeiten einzubringen. Jarmo Puskala erläuterte die Wertigkeit der verschiedenen Plattformen und wie diese vom IRON SKY-Team genutzt werden, um eine Community für ihren Film, der derzeit noch in der Preproduction ist, aufzubauen.

Website - passives Pushmedium mit Aufforderung aktiver zu werden, höchster Grad an Seriosität: schlichte, informative Seite, die mit viel und regelmäßig aktualisiertem Content punktet.  Die Links zu Facebook, Twitter und Co. sind unübersehbar eingebunden. Mir persönlich gefällt die ironische und zum Film passende Ästhetik der Grafik sehr gut. Prominent platziert sind diverse Buttons, die die Besucher zum Aktiv-Werden auffordern: Über eine Google-Maps-Karte kann man sein Interesse bekunden, in der eigenen Stadt den Film zu sehen (und kann damit potentiellen Verleihern beweisen, dass es ein Publikum für den Film gibt). Man kann “Kriegsanleihen” kaufen, sprich die Produktion mit 50€ unterstützen, für die man dann einiges an Bonusmaterial (DVD, Zertifikat etc.) erhält.

Twitter - der informellste Kanal: Der Twitter-Feed, der unter dem Namen der finnischen Filmproduktionsfirma Energia läuft, wird mehrmals täglich in recht umgangssprachlichem Tonfall aktualisiert. Dazu gehören unterhaltsame Infos zu den Produktionsvorbereitungen (Tweets vom Casting in Berlin), unterhaltsame Videos, über die das Ironsky-Team im Netz gestolpert ist, oder auch Alltägliches (”The retards upstairs flooded their toilet. Water coming in through our hallway ceiling LIGHT SOCKET.”) oder auch Kommentare zu den Themen, die dem Team am Herzen liegen (”Two years in a federal pound-in-the-ass-prison for pirating movies? http://bit.ly/bUtF1X In Oz that guy would be dead within 2 episodes.”). Knapp 1.300 Follower.

Facebook - etwas formeller: Auf der Facebook-Seite werden ein bis zwei Mal pro Woche Updates gepostet, die vom Ton und Informationsgehalt wesentlich formeller sind als der Twitter-Kanal. Hier werden vor allem Links zu neuen Videos veröffentlicht, Anfragen an die Community zur Unterstützung (siehe dazu auch unten wreckamovie.com) oder auch eine gelegentliche Umfrage (Wie häufig wollt Ihr hier Updates erhalten?). Zurzeit gut 8.500 Fans, bis zum Produktionsbeginn im Sommer werden 10.000 angestrebt.

MySpace: ähnlich wie die Facebook-Seite, allerdings mit deutlich weniger Fans (gut 2.000).

Youtube - gelegentliche Video-Updates: In größeren Abständen - mal einige Wochen, mal einige Monate - werden auf einem eigenen Youtube-Kanal Vidoes veröffentlicht unter dem Namen “Signal No. XX”. Dort findet man auch den Teaser, Videos vom Team beim Cannes Filmfestival etc. Die “Signal-Videos sind zwischen 3 und 5 Minuten lang, haben eine eigene Hostess und sind an den Look des Films angepasst (die Hostess im Space-Nazi-Kostüm in einem irgendwie 30′er Jahre angehauchten Studio, die Nachrichten über die Filmproduktion vorträgt). Der Kanal hat über 2.200 Abonennten, wobei der Filmteaser mit über 1 Million Views absolut top ist.  Schön auch die Playlist mit den Fanremix-Versionen des Teasers.

Flickr - Fotostream als Blick hinter die Kulissen: Sortiert in verschiedene Alben (Cast, Location Scouting & Casting in Deutschland, Making of, Concept Art etc.) finden sich über 200 Fotos, die durchgängig auch gut beschriftet sind und so schon einen ersten Blick in die Filmproduktion vermitteln. Beispielsweise von der Suche nach einer passenden Location für das Nazi-Raumschiff auf dem Mond, gefunden in Frankfurt a.M.

Wreckamovie - kollaborative Filmproduktion: Im Nachgang zu ihrem ersten Film STARWRECK, haben die Finnen die Plattform Wreckamovie gemeinsam mit einer Partner-Firma entwickelt, die sich als kollaborative Filmproduktionsplattform versteht. IRON SKY ist einer der dort eingetragenen Filme, und über diese Plattform werden die Fans immer wieder zum Mitmachen aufgefordert. Dafür werden Aufgaben / Tasks bei Wreckamovie gepostet: Mal werden Statisten gesucht, mal gibt es Recherche-Aufträge aus dem Art Department: wie sehen die Einschlaglöcher von gewöhnlicher Munition in Metall aus oder Anregungen und Bilder werden gesucht, wie die Explosion eines mit “Helium 3″ (einem fiktiven Antriebsmittel) betriebenen Raumschiffs aussehen könnte. Besonders gelungen fand ich auch das Guerilla-Marketing bei den Filmfestspielen in Berlin und Cannes, wo ein Zeitungsjunge im Stil der 20′er Jahre die Zeitschrift “The Truth” verteilte (Schlagzeile: “Nazis auf dem Mond!”), in der lauter fiktive Berichte über die Spacenazis erschienen. Titel und Logo der Zeitung waren von den Fans gestaltet worden, ebenso schrieben sie diverse Artikel. Wreckamovie weist 1400 Mitglieder der IRON SKY Produktion aus.

Soziale Netzwerke als Marketinginstrumente für einen Film

Bemerkenswert ist die klare Strategie für den Aufbau einer Community und wie diese konsequent umgesetzt wird. Das habe ich bisher selten bei europäischen Filmproduktionen gesehen und mir scheinen die Gehälter für die beiden Community-Manager bestens angelegt zu sein. Ein “Gegen”-Argument, welchem ich immer wieder in der Filmbranche begegne, lautet etwa so: “Ja, für so Sci-Fi- und Horrorstreifen mag das ja funktionieren, aber doch nicht für ein Arthouse-Drama oder Dokumentarfilme.” Ich halte das für Blödsinn. Gerade aus dem Dokumentarfilmbereich gibt es einige sehr erfolgreiche Beispiele, die zeigen, wie über das Netz und ein geschicktes Community-Management (online und offline) ein Publikum für einen Film gefunden werden konnte, der ausschließlich auf DVD erschien und keinen Kinoverleiher fand, trotzdem mehr als die Produktionskosten für die Macher wieder eingespielt hat. Der Schlüssel zum Erfolg lag hier darin, sich mit Communities zu verbinden, die an dem Thema des Films interessiert sind.

Ein gutes Beispiel dafür ist WEIZENBAUM - REBEL AT WORK von Sylvia Holzinger und Peter Haas über einen der Väter des Internets und Helden für viele in der IT-Branche. Der Film hatte weder einen Kinoverleih, noch konnte er an einen Fernsehsender verkauft werden. Die beiden Filmemacher konnten jedoch über DVD-Verkäufe, Vorträge und vor allem durch Vorführungen in Universitäten, viel Pressearbeit etc. über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren ihre bescheidenen Lebensunterhaltskosten bestreiten, die Produktionskosten einspielen und auch noch das nötige Startkapital für ihren nächsten Film erwirtschaften.

Ein Spielfilm, der mir noch als Gegenbeispiel einfällt, ist Andreas Dresens WOLKE 9, ein Film über die Liebe und Sexualität im Alter. In einem Gespräch über seine Filme berichtete Dresen, dass er mit WOLKE 9 offensichtlich ein ganz wichtiges, aber wenig in der Öffentlichkeit behandeltes Thema gefunden hatte, wie ihm die vielen Einladungen zu Filmgesprächen zeigten, die er gerade für WOLKE 9 erhielt. Jedes Mal fanden sich dort zahlreiche Zuschauer im Alter der Filmprotagonisten ein, die angeregt über das Thema nach der Filmvorführung diskutierten und immer wieder feststellten, wie froh und dankbar sie seien, dass sich Dresen auf diese einfühlsame und doch offene Art und Weise des Themas angenommen hatte. Zwar hat der Film auch ohne größere Anstrengungen des Verleihers in Sachen Vermarktung an bestimmte Communities sein Publikum gefunden, doch die meisten Filmemacher in Deutschland haben nicht die Reputation eines Andreas Dresen und hätten über online und offline Kanäle einen Film zum gleichen Thema sicherlich auch gut platzieren können.

Mit anderen Worten: Ja, IRON SKY ist zwar eine ziemlich durchgeknallte Sci-Fi-Komödie von einem Haufen schwarz-humoriger Finnen, doch ihr kluger und konsequenter Einsatz von Web2.0 kann auch als Vorbild für andere Filmproduktionen dienen, schon vor Drehbeginn sich eine Gemeinde aufzubauen. Ich denke, dass dies gerade auch für kleinere Produktionen ein guter Weg sein kann, frühzeitig das Publikum einzubeziehen, um dann mit Hilfe einer prallen Kontaktdatenbank potenziellen Verleihern und Fernsehsendern zu belegen, dass es tatsächlich ein Publikum für diesen Film gibt.

Im nächsten Blogbeitrag, der in einigen Tagen erscheinen wird, möchte ich dann noch auf die verschiedenen Aktivitätslevels der am Film interessierten und der echten Fans eingehen. Während ich in diesem Beitrag eher die Perspektive der Macher gewählt habe und wie diese die verschiedenen Kanäle nutzen, soll im nächsten Beitrag der Blickwinkel des potentiellen Kinobesuchers von IRON SKY im Vordergrund stehen.

Der erste Real-3D-Film einer deutschen Filmhochschule!

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Students at Germany's largest and oldest filmschool, HFF "Konrad Wolf" - my employer, have shot the first live action 3D film of a German filmschool: "Topper doesn't give up!". Topper is an 18-minute drama, for which we are currently trying to find an audience and distributor with next to no marketing budget...

[de]

Filmstill Topper gibt nicht auf!

Filmstill "Topper gibt nicht auf!"

An der Hochschule für Film und Fernsehen “Konrad Wolf” Babelsberg, meinem freundlichem Arbeitgeber, haben Studierende den ersten real-3D-Film einer deutschen Filmhochschule gedreht: “Topper gibt nicht auf!“. Derzeit befindet sich der Film noch in der Postproduktion, morgen gibt es hoffentlich die finale Schnittsichtung.

Mit einem quasi nicht-vorhandenen Marketingbudget versuchen wir, ein Publikum und einen Verleih für dieses erste Drama in 3D, einen 18-minütigen Kurzfilm, zu finden. Star des Films ist der 80′er Jahre Actionheld Till Topper, der sich gerade auf einem anstrengenden Dreh in Afrika befindet und von dort Unterhaltsames twittert

Rückblick: Berlinale Streetdance 3D Podium 15.02.2010

Es war ein kalter, frostiger Montagmorgen nach dem ersten Festivalwochenende und doch kamen etwa 100 Leute zur Preview und Diskussion über Streetdance 3D in das Cubix am Alexanderplatz. Die Zeit war knapp: in 80 Minuten zeigten wir Filmausschnitte und sollten einen Überblick über die 3D-Produktion für das anwesende Fachpublikum aus Filmemachern, Produzenten, Regisseuren, Kameraleuten usw. geben. Keine einfache Aufgabe! Als Moderatorin hat man natürlich eine ziemlich verzerrte Wahrnehmung von so einer Veranstaltung, doch ich hoffe, dass es uns auf dem Podium gelungen ist, den Filmschaffenden ein wenig die Angst vor 3D zu nehmen. Von Max Penner, einem unendlich erfahrenen Veteran des 3D-Kinos, mal abgesehen, war es für das Team von Streetdance 3D auch der erste Film, den sie in 3D gedreht haben - und das mit einem vergleichsweise niedrigen Budget unter 5 Millionen Euro. Die Bilder des Films, die gezeigt wurden, waren jedoch so überzeugend, dass sich in Zukunft hoffentlich mehr Leute trauen, einen 3D-Film zu machen. Es wäre doch zu schön, außer Horror und Family-Entertainment auch andere Genres zu sehen!

Hier noch ein paar Links zu Artikeln über die Veranstaltung bzw. wo sie erwähnt wird:

Berlinale-Diskussion zum 3D-Kino am Montag, 15.02.

[en]

I am happy to announce the discussion at Berlinale and Berlinale Talent Campus about 3D-filmmaking, which I will host on Monday, 15/02, 11am at Cubix 7. A preview of Streetdance 3D, Europe's first feature-length live action 3D movie, will be followed by a discussion with the stereographer, producer, post-production supervisor and a specialist from Dolby.

[de]

Ich freue mich, auch hier die Berlinale-Diskussion zur ersten großen europäischen Realfilm-3D-Produktion ankündigen zu können, die von meiner Wenigkeit moderiert werden wird:

Streetdance 3D

Wann: Montag, 15.02.2010, 11:00Uhr
Wo: Cubix 7
Mit: Max H. Penner, Julian Pinn, Michael Reuter, James Spencer
Moderation: Jennifer Hoffmann
Karten: akkreditierte Besucher können diese direkt bei der Berlinale bestellen.

Meines Wissens ist es die einzige Veranstaltung der Berlinale zum Thema 3D, die vom Berlinale Talent Campus organisiert wurde. Und natürlich wird es das Filmmaterial und auch einiges an Making-of-Bildern in 3D zu sehen geben!

Für das Podium wurde eine spannende und erfahrende Runde zusammengestellt:

Streetdance 3D ist eine deutsch-britische Koproduktion von Vertigo-Films, die im Mai diesen Jahres in die Kinos kommen wird. Eine Gruppe junger Streetdancer, die für die britischen Meisterschaften trainiert, trifft auf Balletttänzer. Britischer Klassenkampf beim Pas de Deux: die lower class der Streetdance Kids trifft auf die upper class in Strumpfhosen. Doch nur gemeinsam haben sie eine Chance bei den Meisterschaften. Die Tänzer sind zumindest den Briten allesamt aus diversen TV-Castingshows bekannt. Die Ballettlehrerin wird von Charlotte Rampling gespielt.

Ich hatte das Privileg, bereits bei der Post Republic längere Ausschnitte aus dem Film in 3D sehen zu dürfen: diese waren wirklich mitreißend und sahen fantastisch aus. Tanz hat auf der Bühne schon von jeher in 3 Dimensionen stattgefunden und so ist ein 3D-Tanzfilm ein Fest für das Kinopublikum. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf den Film und natürlich die Diskussion am Montag…

Kultursponsoring im Wirtschaftskrisenjahr: In jedem Sessel ein potentieller Kunde?

VW hat zwei wichtige, millionen-schwere Kultursponsoringverträge nicht verlängert in diesem Jahr: mit der Berlinale, wo VW einer von 3 Hauptsponsoren war, und mit der Deutschen Oper Berlin. Von VW ist dazu wenig zu vernehmen. „In jedem Sessel sitzt ein potentieller VW-Kunde“ – so lautete noch die Sponsoringvision anno 2004. Sehen die Wolfsburger das mittlerweile grundlegend anders? Offizielle Antworten gibt es nicht. Aber ein Blick auf die VW-Pressemeldungen der letzten Monate zeigt, dass Kultur weiterhin gefördert wird.

Lassen sich am Beispiel VWs irgendwelche Trends zum Kultursponsoring in der Wirtschaftskrise ablesen? Ich denke schon. Jedoch muss ich einschränken, dass ich über die Sponsoringstrategie VWs nur spekulieren kann, da diese natürlich nicht veröffentlicht ist. Bei näherer Analyse zeigt sich, dass solche Verträge nicht verlängert wurden, die m.E. nicht zum Image der Marke passten. VW ist weder glamourös (=> Berlinale) noch bildungsbürgerlich-elitär (=> Deutsche Oper Berlin). Oder wie es VW selbst formuliert in der Pressemeldung zum Sponsoring der Lolas: „Das Engagement Volkswagens beim Deutschen Filmpreis reicht weit über den Fahrservice hinaus. Die Volkswagen Sound Foundation lädt zur Aftershow Party [...]. Zudem wird es am Abend die legendäre Volkswagen Currywurst aus Wolfsburg geben.“ Abwrackprämie, Tatortkommissare, ein paar deutsche Filmsternchen und Currywurst – das passt besser zum Golf als die Berlinale People’s Night, laut des Filmbranchenblatts Variety „one of the fest’s hottest parties“, die in diesem Jahr kurzfristig abgesagt wurde, da VW seine Unterstützung dafür zurückzog.

Was lernen wir daraus?  

“Bits wollen frei sein!” Nr. 2: Digital Film Camp

Ganz anders als bei der Republica ging es beim ersten digitalen Film Camp in Berlin zu, dass am 17.04. in der Homebase stattfand. Statt des wohligen Wir-aufrechten-Kämpfer-für-Creative-Commons-und-weltweite-Redefreiheit-Gefühls, plagten die Runde Zweifel und Unsicherheit. Woher soll das Geld für die nächste Produktion kommen, wenn der aktuelle Film kostenlos im Netz zu haben ist? Welche Vorbilder gibt es für den kreativen Einsatz von online Marketing für Europäische low-budget Filme?

Konkrete Antworten gab es nicht beim Digital Film Camp. Doch erhielt man ein sehr gutes Stimmungsbild, was die Filmbranche gerade bewegt. Alle wissen, dass sie sich wohl irgendwie mit dem Internetz auseinander setzen müssen, dass es mindestens als Marketing- und Vertriebsplattform viele Chancen bieten kann. Aber wie diese genau genutzt werden können oder wie man das Netz gar kreativ einsetzen kann, um mit filmischen Mitteln eine Geschichte zu erzählen, darüber herrschte große Ratlosigkeit.

Die Themenbandbreite war spannend:

//Marketing und Distribution für Filme über das Internet
//Produktion für das digitale 3D-Kino
//Schrecklich erfolgreiche Videos auf Youtube
//Live Cinema (non-lineare Filme performed von VJs)
//Filmvermarktung in der virtuellen 3D-Welt Twinity

Richtig hitzig wurde die Debatte erst bei der von Tillmann Allmer, Sven Assmann und meiner Wenigkeit moderierten Diskussion zu Vermarktungsstrategien für Filme im Netz. Die Position „Unter keinen Umständen irgendwelche Rechte am filmischen Werk zur Verfügung stellen“ traf auf „Bits wollen frei sein!“ und „Embrace it or die!“ Statements. Die künftigen Verhältnisse werden sich wohl irgendwo zwischen diesen Polen einpendeln.