Schöne Multimedia-Projekte zur Fußball-WM

Heute geht die WM los und wir in den nächsten vier Wochen werden Fußball und Südafrika weltweit im Mittelpunkt des Medieninteresses stehen. In den letzten Tagen sind einige sehr schöne, anspruchsvolle und gut gemachte Multimedia-Projekte zu Südafrika und der Fußball-WM über meinen Bildschirm geflimmert, die ich an dieser Stelle gerne vorstellen möchte. Wer also nicht drei Spiele am Tag schauen will, kann sich hier – zumeist auf ästhetisch hohem Niveau – gut unterhalten und informieren lassen!

Soccer for Life – Multimedia-Reportagen

SOCCER FOR LIFE – Episode 1 – Deutsch von 2470media auf Vimeo.

Soccer for Life sind Reportagen, die Foto und Video miteinander verbinden. Produziert von 2470media in Kooperation mit den 11Freunden und der Taz. Mir sind die Reportagen des 2470media-Teams bereits mehrfach aufgefallen, denn sie sind hervorragend gemacht. Leider lassen sowohl ihre eigene Firmenwebsite als auch die für Soccer for Life-Seite in Sachen Design, Funktionsumfang, Interaktivität und Navigation arg zu Wünschen übrig. Schade, denn das hält einen davon ab, regelmäßig diese Seiten zu besuchen (mangels RSS-Feed muss man da immer noch selbst hinsurfen) und sich die neuesten Reportagen anzuschauen.

Via Rufposten.

Die WM2010: ein Wintermärchen – Reportagen & Blog aus Südafrika

Ich möchte heulen – I want to cry from Frey&Schaechtele on Vimeo.

Auf der Wintermärchen2010-Seite wirdmehr als “nur” die Reportagen geboten, wie die oben über die Schwierigkeiten für die Südafrikaner, Tickets für WM-Spiele zu bekommen. Täglich wird aus Südafrika berichtet, in Blogeinträgen, Foto-Video-Reportagen oder auch mal nur einigen Audio-O-Tönen und es gibt den Vuvuzela-Zähler! Schön gemachte Seite, schön gemachte Reportagen, schönes Projekt! Ebenfalls via Rufposten.

This is Southafrica – Netzlese-Projekt zu Hause gebliebener Axel-Springer-Volontäre

Studierende der Axel Springer Akademie “berichten” über die WM, indem sie die interessantesten Geschichten über Südafrika und die Fußball-WM aus dem sozialen Netz fischen und auf der This is Southafrica-Website aggregieren. “Südafrika in Echtzeit” und “Südafrika – so wie es wirklich ist” sind die beiden Leitsprüche für dieses Projekt, das behauptet mehr als reine Nachrichten zu liefern, statt dessen gebe es Geschichten, die Wahrnehmungen lieferten (schwierige Behauptung, aber egal). Da wird zu einem Vuvuzela-Flashmob aufgerufen, über das twitternde US-Fußball-Team geschrieben, viele Fanporträts gezeigt etc.  Bunt, ein bisschen viel Bild-Stil, aber durchaus unterhaltsam.

Bicycle Portraits: Crowdfunding für ein Fotobuch jenseits des Fußballfiebers

southafrica commuters 500x339 Schöne Multimedia Projekte zur Fußball WM
Es muss nicht immer Fußball sein. Anfang diesen Jahres begannen die Fahrradenthusiasten und Fotografen Stan Engelbrecht und Nic Grobler Radfahrer in Südafrika zu fotografieren und sich mit ihnen über ihre Räder, ihr Leben und das Radfahren zu unterhalten. Daraus wurde eine sehr schöne Portraitserie namens Bicycle Portraits. Mittlerweile streben die beiden die Veröffentlichung eines Fotobuches dieser Portraits an und nutzen ihre Website, um die Produktionskosten durch Vorbestellungen einzuspielen. Via Boergeblog.

So, und nun werde ich mich mal aufmachen, um in Gemeinschaft das Eröffnungsspiel zu schauen (Public Viewing nennt man das heute)…

Premiere des ersten Real-3D-Films einer deutschen Filmhochschule am 11. Mai in Berlin

Am 11. Mai 2010 um 17 Uhr feiert die 23-minütige Tragikomödie TOPPER GIBT NICHT AUF! in der Astor Filmlounge Berlin in Anwesenheit der Hauptdarsteller Claude-Oliver Rudolph, Maximilian Vollmar und Anna-Maria Sturm ihre Premiere.

Filmplakat TOPPER GIBT NICHT AUF!

Studierende der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ Potsdam haben mit „Topper gibt nicht auf“ den ersten Real-3D-Film einer deutschen Filmhochschule produziert. Regie führte Félix Koch, das Drehbuch schrieb Florian Hawemann, die Produktionsleitung hatte Paul Andexel, für die Bildgestaltung mit dem stereoskopischen Kamerapaar zeichnete Benjamin Raeder verantwortlich, den 3D-Schnitt übernahm Phillip Schindler und Sönke Kirchhof war der Supervisor für die aufwendige 3D-Postproduktion. Neben den genannten HFF-Studierenden waren viele weitere Teil des insgesamt 70 Personen umfassenden Stabs. Darüber hinaus konnten prominente Schauspielerinnen und Schauspieler gewonnen werden wie Claude-Oliver Rudolph („Das Boot“, „James Bond 007: Die Welt ist nicht genug“), Maximilian Vollmar („Die Welle“, „Nancy and Frank – A Manhattan Love Story“) und Anna-Maria Sturm („Beste Zeit“, „Beste Gegend“). Sowohl die Schauspieler als auch das gesamte Team werden bei der Premiere anwesend sein.

TOPPER GIBT NICHT AUF! erzählt die Geschichte von Axel, der Regie studiert und die männliche Hauptrolle seines aktuellen Films mit seinem Idol Til Topper besetzt. Beim Dreh entpuppt sich Topper als arroganter Exzentriker und droht, alles hinzuschmeißen. Doch dann kommt Marleen. Sie spielt die weibliche Hauptrolle, weckt seinen Ehrgeiz und – sie ist Axels Freundin.

Regisseur Félix Koch erläutert die Herangehensweise zum Einsatz der 3D-Technik: „Eigentlich erzählen wir eine gänzlich untypische 3D-Geschichte: In “Topper” gibt es keine spitzen Gegenstände, die aus der Leinwand ragen, keine Verfolgungsjagden durch interstellare Asteroidenfelder, keinen Ritt auf dem Rücken eines Flugdrachen durch das Blätterwerk eines fernen Dschungelplaneten. Wir erzählen eine verzwickte Dreiecksgeschichte zwischen einem in die Jahre gekommenen Actionstar, einem überambitionierten Filmstudenten und seiner Freundin. Uns war es wichtig, die 3D-Technik nicht als effekthascherisches Bonbon einzusetzen, sondern als unterstützendes Gestaltungselement der Dramaturgie für unsere Geschichte zu nutzen. Für mich persönlich war die Arbeit an “Topper” in jeder Hinsicht eine Bereicherung: Wir sind als Filmstudenten nun auf dem neusten Stand von Forschung und Technik und konnten dank des Drehs eine Menge über die Arbeit an einem 3D-Set und den Umgang mit der dritten Dimension in der Postproduktion lernen.

Topper gibt nicht auf! wurde im Rahmen des 3D-Forschungsprojektes PRIME realisiert. PRIME ist die Abkürzung für Produktions- und Projektionstechniken Immersiver Medien und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Acht führende deutsche Unternehmen und Forschungsinstitute schlossen sich zu einem Konsortium zusammen, um für die Einführung des dreidimensionalen Medienkonsums in Kino, TV und Spielen zukunftsweisende Technik und tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Wer bei der Premiere am 11. Mai dabei sein möchte, dem sei die Teilnahme an einem der Gewinnspiele bei unseren Partnern für Premierentickets empfohlen:

Weitere Infos zum Film gibt es unter:

Geschäftsmodelle im Web2.0: Beispiel Vertrieb von Kurzfilmen

Die Organisatoren der stART-Konferenz, die Kunst und Kultur mit den sozialen Medien zusammenbringen möchten, rufen im Vorfeld der diesjährigen Konferenz gemeinsam mit dem Kulturmanagement Network zu einer Blogparade zum Thema “Geschäftsmodelle im Web 2.0” auf. Erst mal ein herzliches Dankeschön für die gute Idee!

blogparade geschaftsmodelle startconference 1 Geschäftsmodelle im Web2.0: Beispiel Vertrieb von Kurzfilmen

In diesem Post möchte ich dafür anhand eines eigenen Projekts der Frage nachgehen, wie das Web2.0 von Kurzfilm-Produzenten genutzt werden kann, um für ihren Film eine Distribution in Kinos zu erhalten – ein Ziel, das geschätzte 95% der Produktionen nie erreichen. Warum Kurzfilm-Distribution als Thema? Weil eine Kinodistribution für Kurzfilme noch viel schwieriger zu organisieren ist als für “normale”, abendfüllende Filme. Vor allem aber, weil wir mit unserem Projekt in dieser Hinsicht neue Wege mit Hilfe des Web2.0 gegangen sind, die vielleicht auch für Projekte in anderen Kultursparten anregend sein könnten.

Vertrieb von Kurzfilmen aus Produzenten-Sicht:  altes Modell ohne “Geschäft”…

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Kurz zum Hintergrund: Neben diversen Produktionsfirmen sind es in Deutschland vor allem die Filmausbildungsstätten, an denen Kurzfilme produziert werden. Die meisten davon als Übungen, Experiemente, Versuche. Oftmals entstehen dabei kompakte Werke von hoher künstlerischer Qualität. Die während ihrer Studienzeit entstandenen (Kurz-)Filme sind die “Visitenkarte” der jungen Filmemacher, mit der sie sich später auf einem hart umkämpften Markt bewerben müssen – sei es, um eine Position als Kameramann-/frau, Regisseur, Produzent etc. zu ergattern oder um Filmfördergelder für ihre nächsten, größeren Projekte einzuwerben.

Nun gibt es in Deutschland fünf staatliche Filmhochschulen plus diverse teils private und anderweitig finanzierte Akademien. An all diesen Institutionen werden jedes Jahr unzählige Kurzfilme hergestellt, an der größten der fünf staatlichen Hochschulen, der Hochschule für Film und Fernsehen “Konrad Wolf” in Babelsberg, beispielsweise sind dies über 200 Produktionen jedes Jahr. Da konkurrieren also jährlich mehrere hundert Kurzfilme darum, eine weitere Verbreitung zu finden. Mit “weitere Verbreitung” ist vor allem das Kino, eventuell noch Fernsehen gemeint. Die Filmbranche ist traditionell und noch immer dem Netz gegenüber sehr skeptisch und beharrt auf den althergebrachten Verwertungsmustern, die kostenloses Abspielen im Internet zumeist kategorisch ablehnen. Häufig sehen die Produktionsverträge der Hochschulen vor, dass die Studierenden ihren Film nicht online zur Verfügung stellen dürfen.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich dann auch das “alte” oder klassische Vertriebsmodell für Kurzfilme ganz fix: Die besten Kurzfilme eines Jahres werden an den Hochschulen ausgewählt und deutschland- oder teils Europa-weit bei Filmfestivals eingereicht. Wird einer der Filme in der Kurzfilmsektion eines Festivals angenommen, ist das bereits ein immenser Erfolg (hier ein Beispiel eines HFF-Animationsfilms). Gewinnt er gar einen Preis, kommt das einem Sechser im Lotto gleich, auch wenn einen das – zumindest hierzulande – nicht unbedingt reich oder berühmt machen muss. Wichtig für die jungen Filmemacher ist, dass sie die Festivalbeteiligungen in ihrer Filmographie vermerken können. Geld verdient damit niemand, in der Regel werden nicht einmal die Produktionskosten durch die Preisgelder gedeckt.

In einem Zeitalter, da Vorfilme gar nicht mehr und Kurzfilme außerhalb von Festivals kaum gezeigt werden, ist das alte Geschäftsmodell also gar kein Geschäftsmodell, sondern ein Glücksspiel mit ein wenig PR und Reputation als Hauptgewinn. Wie können da soziale Medien und das Web2.0 neue Ansätze bieten? Wie kann man also mit Hilfe der neuen Medien einen Erfolg (= Vorführung des Kurzfilms in Kinos außerhalb von spezialisierten Festivals) in einem über hunderjährigen Medium erreichen?

Einblick: der erste Real-3D-Film einer deutschen Filmhochschule

Das offizielle Topper gibt nicht auf! Filmplakat

Das offizielle Topper gibt nicht auf! Filmplakat

Wie schon eins, zwei, drei Mal berichtet, hat die HFF Babelsberg ihren ersten 3D-Film gedreht, für den die Verfasserin dieses Artikels als Producerin verantwortlich zeichnet.  TOPPER GIBT NICHT AUF! erzählt die Geschichte von Axel, der Regie studiert und die männliche Hauptrolle seines aktuellen Films mit seinem Idol Til Topper besetzt. Beim Dreh entpuppt sich Topper als arroganter Exzentriker und droht, alles hinzuschmeißen. Doch dann kommt Marleen. Sie spielt die weibliche Hauptrolle, weckt seinen Ehrgeiz und – sie ist Axels Freundin.

Selten wurde ein 25-Minüter mit einem derartigen Personalaufwand (etwa 100 Personen insgesamt in Stab und Besetzung) und so komplexer Technik an der HFF gedreht. Selten ist auch die Einbettung einer Kurzfilmproduktion in den größeren Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekts (www.prime3d.de). Selten gut war auch das Timing für das Projekt: Drehbeginn war im November 2009, genau einen Monat vor der Europa-Premiere von AVATAR und so konnte unsere kleine 3D-Produktion auf der ganz großen Cameron-3D-Welle mitreiten. Eine echte Ausnahme ist das Genre dieses Films: Bisher gab es in 3D nur Action, Thriller, Horror, Family-Entertainment, Sci-Fi etc. zu sehen, aber keine Tragikomödie – und schon gar nicht eine über einen alternden 80′er Jahre Actionstar gespielt von Claude-Oliver Rudolph. Außerdem gab es auch noch einen “Wir sind die ersten!”-Erfolg zu verbuchen. Bisher gab es von deutschen Filmhochschulen “nur” Animationsfilme in 3D, die mit wesentlich geringerem technischen Aufwand zu realisieren sind als sogenannte Realfilme mit echten Schauspielern, Sets etc., oder aber nur ganz kurze Real-3D-Film-Versuche. Da war Topper die erste große Produktion deutschlandweit! Bemerkenswert ist auch die hochkarätige Besetzung mit Bond-Bösewicht Claude-Oliver Rudolph, Polizeiruf 110-Kommissarn Anna-Maria Sturm und Maximilian Vollmar, der schon an Jürgen Vogels Seite in DIE WELLE gespielt hat. Und dann war da noch ein talentiertes und außergewöhnlich motiviertes studentisches Produktionsteam, das erkannte, dass es hier ein echtes Ausnahmeprodukt von Kurzfilm sein Eigen nennen durfte, mit dem es zwar ganz sicher nicht reich, aber in aller Bescheidenheit ein klitzekleinwenig berühmt werden könnte!

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Testaufnahmen mit dem 3D-Kamerarigg mit Kameramann Benjamin Raeder (links) und Stereographer Michael Laakmann (Mitte)

Marketing und Vertrieb mit Hilfe des Web2.0 für einen 3D-Kurzfilm

Mit einem Marketingbudget, das gerade so den Druck von einigen Flyern und Postern und das Mieten eines Kinos für die Premiere in Berlin erlaubte, war von Anfang an klar, dass vor allem das Netz für die Vermarktung genutzt werden sollte. Ziel war und ist es, eine möglichst große Fangemeinde für diesen Film aufzubauen, um potentiellen Verleihern zu demonstrieren, dass es Leute gibt, die diese 3D-Tragikomödie sehen möchten und dafür eine Kinokarte oder DVD/Bluray kaufen würden. Die Alleinstellungsmerkmale lagen auf der Hand: Claude-Oliver Rudolph als Hauptdarsteller und eine rein deutsche, low-budget 3D-Produktion, die mit zwei “Firsts” (die erste 3D-Tragikomödie und der erste Real-3D-Film einer deutschen Filmhochschule) aufzuwarten hatte.

Kooperation mit Moviac

Zentraler Dreh- und Angelpunkt der Kampagne ist die Kooperation mit der online Plattform moviac – Deine Wunschfilme im Kino! Seit 2009 ist Moviac bereits online und versteht sich als Angebot für alle, die ihr lokales Kinoprogramm aktiv mitgestalten wollen. Dabei steht Moviac für movie maniac – filmverrückt. Filmfans können sich mit Gleichgesinnten vernetzen und so ihren Wunschfilm in ein Kino in der Nähe bringen. Aus mehr als 2000 Filmen – Klassiker, Arthouse- und Independent-Produktionen oder eben 3D – kann die moviac-Gemeinde bereits wählen, und mehr als 150 Partnerkinos wurden in Deutschland für das Projekt gewonnen. Letztes Jahr wurde das Portal sogar mit dem Innovationspreis der Bundesregierung im Bereich Film geehrt. Der interaktive Dialog in der Kinobranche hat begonnen, der in einem Artikel bei Zeit online vor wenigen Tagen beleuchtet wurde.

Auch für Topper kann nun auf Moviac per Mausklick gestimmt werden. Stand Ende April: knapp 40 Stimmen [Nachtrag: Stand im Mai zur Filmpremiere: etwa 120 Stimmen]. Angesichts dessen, dass bisher etwa 3900 Filmwünsche bei Moviac insgesamt eingegangen sind, wir also etwa 1% der Gesamtstimmen auf der Plattform haben, finde ich das durchaus akzeptabel.
Das Publikum war begeistert

Seitenblick

Außerhalb Deutschlands gibt es bereits einige Beispiele für Filme, die mit einer ähnlichen Strategie erfolgreich vertrieben wurden. Am bekanntesten ist der Klimafilm AGE OF STUPID, für den extra die Plattform Indie Screenings gegründet und programmiert wurde. Nach eigenen Angaben haben die beiden Filmemacherinnen mit den Vorführungen allein 110.000 GBP umgesetzt. Indie Screenings kann vor allem für die Organisation von Vorführungen außerhalb von Kinos, also z.B. in Schulen, Kirchen, daheim oder sonst wo, genutzt werden. Im Katalog sind einige ausgewählte Dokumentarfilme verzeichnet. Aufgrund eines Relaunches im Juni liegt die Seite allerdings gerade etwas brach. Ein weiteres Beispiel sind die finnischen Macher von IRONSKY, über deren Web2.0 Marketing-Kampagne ich bereits berichtet habe. Sie haben auf ähnliche Weise 7.500 Stimmen für künftige Vorführungen ihres noch in der Produktion befindlichen Films gesammelt.

Eine Kooperation mit Moviac zu vereinbaren ist schon eine feine Sache, doch hilft einem das gar nicht, wenn niemand für den eigenen Film dort stimmt. Deshalb musste auch für Topper eine kreative Marketing-Kampagne her. Angesichts des bereits erwähnten geringen Marketingbudgets und der Konzentration auf online Medien wollten wir aber noch einen Schritt über die üblichen Facebook-Fanpages, Produktionstweets etc. hinaus gehen. Statt dessen entschieden wir uns dafür, die Geschichte des Films im Web weiter zu führen. In Neudeutsch heißt so was jetzt crossmediale Stoffentwicklung. Darin liegt meines Erachtens ein großes kreatives Potential, das gerade von Kunst- und Kulturprojekten aller Coulour in Verbindung mit online und mobilen Medien noch viel zu wenig genutzt wird.

Die Weiterführung der Topper-Geschichte im Netz…

Til Topper lebt und ist echt! Das war das Credo unserer Kampagne. Dafür wurde unter www.tiltopper.de eine Website für unseren Hauptprotagonisten kreiert, die Infos zu seinen früheren Filmerfolgen enthält. Topper hat ein Facebook-Profil und twittert täglich Geschichten von den Drehschauplätzen der Welt. Auch haben wir bei Wikipedia eine Biographie für ihn angelegt, doch die wurde mit dem Hinweis “Unsinn” innerhalb weniger Stunden gelöscht. Schade eigentlich ;-) Die Plots zu den früheren Filmen, die wirklich großartige Topper-Biographie (nachzulesen hier) und die tägliche Twitter-Dosis Wahnsinn von den Sets der Topper-Actionfilme werden von Drehbuchautor Florian Haweman geschrieben. Den Toppertwitter kann ich übrigens nur wärmsten empfehlen, mir erhellt er regelmäßig meinen manchmal etwas grauen Arbeitsalltag!

Der 3D-Dreh und die Postproduktionsphase wurden von einem kleinen Making-of-Team begleitet, das weit mehr gutes Material sammelte, als in dem 15-minütigen Making of verwendet werden konnte. Deshalb entschloss sich Produktions- und Marketingleiter Paul Andexel, daraus sogenannte Featurettes – oder auch gerne Topperettes genannt – zu bauen, die auf  Youtube und der Topper-Website einen Blick hinter die Kulissen dieser Produktion erlauben. Mehrmals pro Woche werden Interviews oder Featurettes zu einem bestimmten Thema veröffentlicht.

Operation Kobra

Regisseur Félix Koch hat vor seinem HFF-Studium u.a. das Merchandising für Bernd das Brot gemacht und somit viel Erfahrung in der Gestaltung von Plakaten etc. So stammt das gesamte Artwork für TOPPER GIBT NICHT AUF als auch für die früheren Actionfilme Til Toppers aus seiner Feder. Das Drehbuch sieht am Anfang des Films eine Montagesequenz alter Topper-Filmplakate vor. Sowohl der Regisseur als auch der Hauptdarsteller haben einen Faible für alte Actionfilmplakate und so war es ein Leichtes für Félix, Claude-Oliver Rudolph zu einer Fotosession vor Greenscreen für diese Intro-Montagsequenz zu überreden. Daraus ist u.a. das “Operation Kobra”-Plakat entstanden, das wir alle so gut fanden, dass wir es im Zuge der “Topper ist wirklich echt”-Kampagne drucken ließen. Mit diesen Materialien wurde dann auch die Til Topper Website bestückt.

www.topper3.de Screenshot

www.topper3.de Screenshot

All diese Aktivitäten werden auf der www.topper3.de Website zusammengeführt. Hier gibt es Links zu allem zuvor genannten Content, regelmäßige Blogeinträge, Gewinnspiele, aktuelle Informationen zum Fortgang der Produktion etc.

… in Kombination mit klassischer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Drei Pressemitteilungen wurden zu Topper veröffentlicht und über den Hochschul-Presseverteiler als auch einen eigenen Verteiler, den das Team aufgebaut hat, versendet. Die erste Mitteilung war eine Einladung zum Pressegespräch am vorletzten Tag der Dreharbeiten mit Besuch des Sets, wo Darsteller und Crew zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung standen und die 3D-Kameratechnik aufgebaut war. Die Resonanz war sehr positiv und etwa ein Dutzend Pressevertreter erschienen, darunter auch ein Journalist für die ddp-Presseagentur. Dank der ddp-Meldung wurde in sämtlichen regionalen als auch vielen überregionalen Tageszeitungen und online Nachrichten-Portalen über den Topper-Dreh berichtet. Ursprünglich war die Wahl des Drehtermins in der zweiten Novemberhälfte vor allem der Raumbelegung des großen HFF-Studios geschuldet gewesen, wo dies der fast einzige freie Termin für uns war. Aus Marketingsicht erwies sich dieser aber als perfektes Timing, da er – wie bereits erwähnt – nur wenige Wochen vor der AVATAR-Premiere lag und sämtliche Medien zu dem Zeitpunkt besonders sensibilisiert waren für das 3D-Thema. Dies muss man ehrlicherweise einräumen angesichts der wirklich überwältigenden Resonanz, die unser Projekt in den alten Medien fand – schließlich ist Topper auch nur einer von hunderten studentischer Kurzfilme des Jahres 2009/2010.

Trotz dieser Einschränkung haben wir aber auch vieles richtig gemacht bei der Pressearbeit: Wir haben ein professionelles Presskit mit allen Informationen und Bildern zusammengestellt, haben viel Arbeit in den Verteileraufbau gesteckt, hatten einen Standfotografen dabei, der die Dreharbeiten begleitet hat, so dass wir gutes Fotomaterial vom Film als auch den Filmarbeiten selbst anzubieten hatten, wir haben die Alleinstellungsmerkmale schlüssig und auch für Laien nachvollziehbar kommuniziert.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass wir natürlich nicht nur die Holzmedien mit Informationen versorgten, sondern bevorzugt auch Webseiten und Blogs, die sich auf das Thema Film spezialisiert haben. Besonders hervorzuheben ist die mittlerweile freundschaftliche Partnerschaft mit Gerold Marks von der Digitalen Leinwand, dem mit Abstand wichtigsten Blog zum Thema Kino, Digitalisierung des Kinos und 3D in Deutschland. Gerold hat uns den Kontakt zu Moviac vermittelt, hat regelmäßig über Topper berichtet – und das auch noch ausführlich und ohne sachliche Fehler in den Artikeln (im Gegensatz zu einigen haarsträubenden Fehlern in der Berichterstattung mancher Tageszeitung). Mit über 350.000 Besuchern im ersten Jahr des Blog-Bestehens ist die digitale Leinwand der wichtigste Multiplikator für uns. Dort werden übrigens anläßlich des ersten Geburtstags der Digitalen Leinwand Karten für die Topper-Premiere verlost!

Félix Koch erklärt die Welt von 3D

Regisseur Félix Koch beim Werkstatt-Gespräch beim Sehsüchte Festival 2010

Auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit waren wir rührig: Zur Berlinale 2010 gab es in einer 50-er Auflage DVDs mit einem ersten Trailer (in anaglyph 3D), “Operation Kobra” Flyer und Postkarten.  Mindestens einer vom Team war bei allen einschlägigen 3D-Veranstaltungen, die während der Berlinale stattfanden, als auch bei Empfängen, die von unseren Partnern veranstaltet wurden, anwesend und hat dort Netzwerkarbeit geleistet und das Marketingmaterial verteilt. Schon während der Berlinale wurden Kontakte zu potentiellen Verleihern gesucht, der Presseverteiler erweitert etc. Auch bei allen anderen Veranstaltungen, die in der Hauptstadtregion seit Oktober letzten Jahres zu 3D stattgefunden haben, war immer mindestens einer von uns dabei. Dank der Kombination dieser Maßnahmen ist unsere Produktion mittlerweile in der Branche recht bekannt.

Ausblick

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Setfoto mit den Hauptdarstellern Maximilian Vollmar, Anna-Maria Sturm, Claude-Oliver Rudolph

Nun liegt die Deadline für diese Blogparade vor dem Premierentermin. Deshalb kann jetzt für Topper noch nicht berichtet werden, ob die neuen Medien erfolgreich eingesetzt werden konnten, um aus den Reihen der alten Medien einen Verleih für Topper zu finden. Auf diesem Blog wird das Ergebnis unserer Bemühungen selbstverständlich nachgereicht werden! Angesichts der für einen Kurzfilm sehr schwierigen Länge von 25 Minuten bin ich da eher pessimistisch. Da er als Vorfilm zu lang ist, wäre die einzige Möglichkeit eine Art “Packaging” mit anderen 3D-Kurzfilmen. Aber vielleicht schaffen wir es ja auf Moviac genug Stimmen zu erhalten, um neben der Premiere noch ein, zwei oder gar drei Vorführungen des Films in 3D für ein Publikum außerhalb unserer eigenen Hochschule zu organisieren. Das wäre dann tatsächlich ein großer Erfolg aus meiner Sicht! Topper ist ganz sicher ein Nischenprodukt, für den eine Plattform wie Moviac auch nur begrenzt etwas erreichen kann. Hat man jedoch einen Film, der eine größere Publikumsnische bedient wie die genannten Beispiele AGE OF STUPID oder IRON SKY, dann lässt sich in Verbindung mit einer Web2.0-Kampagne und einem Portal wie Moviac sicherlich eine stattliche Anzahl von Vorführungen arrangieren.

Ähnliche Ansätze gibt es in der Musikbranche natürlich schon viel länger, aber für Film und Kino ist das noch sehr neu und gerade im Experimentierstadium. Mir ist in Deutschland außer Topper kein anderer Film bekannt, der noch während der Produktionszeit versucht hat, Stimmen für eine Vorführung vor Ort in lokalen Kinos zu sammeln. Für die Mehrheit der Filmproduktionen wird das auch künftig nicht der heilige Gral sein, aber für spezielle Produktionen wie die unserige lässt sich damit sicherlich mehr erreichen, als in halb Berlin zu plakatieren. Von Geschäftsmodell kann schon mal gar nicht die Rede sein. Doch fairerweise sollte man berücksichtigen, dass das für den Großteil der deutschen Filmbranche gilt, die ohne massive staatliche Filmförderung nämlich auch kein Geschäftsmodell vorzuweisen hätte. Aber das ist eine ganz andere Geschichte… Ich für meinen Teil würde mich jedenfalls freuen, wenn man auf den Filmographien des Filmnachwuchses künftig nicht nur die Festivalbeteiligungen verzeichnet finden würde, sondern auch die durch online Voting initiierten Publikumsvorführungen!

Alle Bilder: Cristian Pirjol oder Benjamin Raeder für HFF”Konrad Wolf”/ Topper gibt nicht auf! www.topper3.de

Topper 3D heute Abend beim Berliner Filmforum

Berliner Filmforum

Heute Abend werden Regisseur Félix Koch, Produktions- und Marketingleiter Paul Andexel, Postproduction Supervisor Sönke Kirchhof und meine Wenigkeit beim Berliner Filmforum den 3D-Kurzfilm TOPPER GIBT NICHT AUF! vorstellen. Wer sich für die Produktion von 3D-Filmen oder aber auch innovativer Vermarktung von Filmen mit Hilfe von social media interessiert, der ist herzlich willkommen an unserem Stand. Karten gibt es noch an der Abendkasse!

Was: Trailer und Ausschnitte von  TOPPER GIBT NICHT AUF! in der Anaglyph-Version und Gespräche mit den Machern dieses  3D-Films

Wann: Dienstag, 27.04.2010, ab 19:00 Uhr

Wo: Berliner Filmforum im Adagio, Marlene-Dietrich-Platz 1 (am Potsdamer Platz), 10785 Berlin

Weitere Infos: hier!

HFF 3D-Film vorab-Präsentation 23.04. & Premierentickets zu gewinnen

4505735893 c1edb7b2bd HFF 3D Film vorab Präsentation 23.04. & Premierentickets zu gewinnen

Über die erste Realfilm-3D-Produktion der HFF habe ich ja schon ein, zwei Mal berichtet. Wer interessiert ist, hat jetzt die Chance, den Film endlich zu sehen!

Im Rahmen des Studentenfilmfestivals Sehsüchte, dass vom 20. bis 25. April an der HFF und im Thalia-Kino Potsdam wieder stattfindet, gibt es ein Werkstatt-Gespräch zu 3D-Produktionen an Filmhochschulen, bei der auch eine noch nicht ganz fertige Version von “Topper gibt nicht auf!” gezeigt wird (nicht ganz fertig heißt: die Farbkorrektur fehlt, das Intro ist noch nicht ganz final, der Abspann auch nicht) .

Was: 3D-Screening “Topper gibt nicht auf!” und anschließendes Werkstattgespräch zur Produktion eines 3D-Films

Wann: Freitag, 23.04.2010, 18:00 Uhr

Wo: HFF “Konrad Wolf”, großes Kino (Raum 1104), Marlene-Dietrich-Allee 11, 14482 Potsdam

Weitere Infos: hier!

Wer bei der Topper-Premiere mit Claude-Oliver Rudolph und dem gesamten Team dabei sein möchte, dem sei noch das Gewinnspiel ans Herz gelegt. Da gibt es nämlich Premierenkarten zu gewinnen für die 3D-Topper-Premiere Mitte Mai.

Neuer Filmcredit: Transmedia Producer

Nun ist die Erkenntnis auch in Hollywood gereift: “It moves the concept of transmedia storytelling from a methodology to an art form, and will transform it from marketing tool to a conduit for realizing a creative vision,” so wird Jeff Gomez von Variety zitiert. Gomez ist einer der Gründer von Starlight Runner Entertainment, die transmedia oder auch crossmedia Kampagnen für Avatar und Transformers durchgeführt haben. Darüber hinaus ist er Mitglied des New Media Councils der US-Produzentengilde (PGA _ Producers’ Guild of America), die zum ersten Mal seit langer Zeit wieder einen neuen Produktionscredit für Ḱinofilme eingeführt haben: nämlich eben jenen Transmedia Produzenten.

Auch wenn seitens der PGA und in dem Variety-Artikel die Erweiterung von Franchise-Produktionen (wie Star Wars, Bat Man, Transformers etc.) jenseits der Kinoleinwand und des üblichen Merchandisings im Vordergrund steht – begrüßenswert ist dieser Credit durchaus! Er zeigt nämlich, dass es auch für Produzenten ein spannendes Betätigungsfeld jenseits von Produktion und Vertrieb von Filmen nur in den Kinos gibt, sondern dass sehr kreative Möglichkeiten existieren, die Geschichten des Kinofilms in der online und mobilen Welt weiter zu erzählen, den Filmcharakteren im Netz zusätzliches Tiefe zu geben, Erzählstränge, die im Hauptfilm nur eine untergeordnete Rolle spielen, auszubauen etc. pp.

Schön also, dass es jetzt eine offiziel abgesegnete Berufsbezeichnung für diese Leute gibt. Wollen wir also hoffen, dass wir demnächst mehr davon im Netz antreffen!

Quelle: Variety / Technology, 07.04.2010: Producer’s new frontier: Transmedia storytelling to get its due

Fallstudie Filmmarketing in sozialen Netzwerken, Teil 2: Die IRON SKY Fanpyramide

[en]

The second part of the analysis of the IRON SKY marketing. This blog post attempts a categorisation of the potential audience for a movie and how they interact with a film online and via social media.

[de]

The Truth Today online“Nazis auf dem Mond – Space Nazis on the Moon!” Ein Zeitungsjunge in Tweedhose und mit Schiebermütze steht  vor dem Martin-Gropius-Bau, wo der European Filmmarket abgehalten wird, und verteilt eine Zeitung namens “The Truth”. Ich lasse mir ein Exemplar von ihm geben und tatsächlich, da steht was von Nazis auf dem Mond. Die Zeitung sieht ziemlich selbst gemacht aus, auf den vier Seiten finden sich lauter Artikel, an denen Leute offensichtlich viel Spaß beim Schreiben hatten (z.B. “German Biologist killed in Freak Accident by Extinct Bird”). Wieder daheim, google ich sogleich nach den Spacenazis. Das war zur Berlinale 2009 und so habe ich zum ersten Mal von dem Filmprojekt IRON SKY erfahren. Der Humor der Website trifft den meinen, die Ästhetik finde ich passend und sehr unterhaltsam. Insgesamt unterscheidet sich die Website deutlich von den gängigen Filmseiten. So kaufe ich zwar keine Kriegsanleihen (für 50€ bekommt man eine DVD von dem noch zu drehenden Film, Poster und einige andere Merchandise-Artikel und hilft gleichzeitig dem Team mit der Finanzierung der Produktion), recherchiere jedoch ein wenig den Hintergrund des Teams, wie in Teil 1 des Artikels über das Marketing von IRON SKY beschrieben. Im ersten Teil des Artikels habe ich die verschiedenen Kommunikationskanäle und wie diese vom IRON SKY-Team genutzt werden, beleuchtet. Heute soll es darum gehen, wie sich das nun aus der Sicht des Publikums darstellt.

Aus Neugierigen werden Fans

Eines der häufig genutzten, aber grob vereinfachenden Modelle, um die Aktivitäten von Leuten in sozialen Netzwerken zu beschreiben, ist das Pyramidenmodell. Jeweils 10% der Nutzer von einer Ebene schaffen es auf die nächst höhere. Je weiter man nach oben in die immer dünner werdende Spitze gelangt, desto höher die Aktivität und das Engagement der Nutzer. Die breite Basis der Pyramide wird von rein passiven, nur mitlesende Menschen gebildet. So weit, so offensichtlich.

Gut dargestellt wurde das z.B. von den Damen und Herren bei Technology in the Arts, wie in einer kürzlich veröffentlichten Präsentation zu sehen ist. In Anlehnung an deren Modell und Darstellung habe ich versucht, deren Pyramide auf das Filmmarketing und den speziellen Fall von IRON SKY zu übertragen. Da Filmkritiken ja auch immer diese unsäglichen 1 bis 5 Sterne Bewertungen haben, dachte ich, dass es ganz passend wäre, die verschiedenen Fanebenen entsprechend einzuteilen und zu beschreiben. Die englischen Begriffe in Klammern weisen auf die von Technology in the Arts verwendeten Kategorien hin.

Also, mit der Ausgabe von “The Truth” in der Hand vor einem Jahr fing ich als 1-Sterne-Besucherin an.

1 Stern – einmalige Besucher (“Spectator”): Irgendwie hört man was von diesem Projekt – entweder, weil man in der Facebook-Status-Leiste sieht, das ein Freund jetzt Fan von IRON SKY ist, oder man erhält den Link zur Website gemailt (so wie ich das dann sogleich nach dem ersten Googlen getan habe und damit auf die Ebenen 2 und 3 der Pyramide empor kletterte). Man schaut sich vielleicht den Teaser an, schaut sich kurz auf der Website um und informiert sich über den geplanten Film. Alexa weist aus, dass etwa 20% der Ironsky-Website-Besucher über eine Suchmaschine dorthin gelangen (Suchbegriffe ironsky oder moon nazis). Youtube weist über eine Million Views für den Teaser aus, der Einfachheit halber – und damit extrem niedrig angesetzt – nehmen wir diese Zahl als Basis für die Pyramide: 1.000.000.

Der 2 Sterne registrierte Fan (“Joiner): Von dieser Masse an Leuten werden 10% etwas aktiver, indem sie beispielsweise Fan von Ironsky auf Facebook oder Twitter werden. Diejenigen, die sich über eines der sozialen Netzwerke mit Ironsky verbinden, können dann tatsächlich schon als Fans bezeichnet werden. Sie erhalten mindestens alle ein bis zwei Wochen Updates über die Entwicklung der Filmproduktion und werden, wenn der Film in die Kinos kommt, bereits mit den Hauptcharakteren und dem Plot vertraut sein. Wenn ich mich bewußt dafür entscheide, über 6 Monate oder gar 2 Jahre die Entwicklung einer Filmproduktion zu verfolgen, ist die Wahrscheinlichkeit doch sehr hoch, dass ich dann am Ende auch ins Kino gehe, wenn der Film endlich distribuiert wird (geplanter Filmstart für IRON SKY ist in 2011). Hier scheinen mir die 10% allerdings sehr hoch gegriffen, da sich die Summe der Abonnenten, Follower etc. auf den diversen Plattformen auf etwa 14.000 (ohne Flickr) beläuft, also eher 1-2% ausmacht. Wie die weiteren Zahlen zeigen werden, ist der Schwund vom 1-Sterne zum 2-Sterne-Fan am größten.

Der 3 Sterne bewertende & kommentierende Fan (“Collectors & Critics”): Von diesen registrierten Fans werden wiederum ca. 10% mal einen Kommentar hinterlassen, für ein künftiges Screening in der eigenen Stadt abstimmen, eine Video- oder Fotobewertung auf Youtube/Flickr abgeben und ganz sicher auch ihren Freunden von diesem neuen Filmprojekt berichten. Das geschieht dann, indem ein Link zum Teaser, zur Website oder ähnlichem verschickt wird. Auf der IRON SKY Website kann man für eine Vorführung des Films in der eigenen Stadt stimmen, etwa 4.000 Leute haben das getan. Bei Facebook habe ich mir mal alle Profileinträge angeschaut, die ohne weiter zu klicken zu sehen sind und ausgerechnet, wieviele Kommentare im Durchschnitt hinterlassen werden (11 Kommentare pro Eintrag bei knapp 9.000 Fans). Zwischen 22.12. und 05.03. wurde durchschnittlich alle 2,6 Tage ein neuer Post bei Facebook veröffentlicht, dieser jeweils 11 mal kommentiert, macht auf’s Jahr gerechnet 1.500 Kommentare, aber eben natürlich nicht von 1.500 verschiedene Leuten. Wenn man nun allerdings noch die “Find ich gut”-Bewertungen bei Facebook und sämtliche Bewertungen bei anderen Netzwerken, Abstimmungen für Filmvorführungen etc. dazu addiert, liegen wir grob geschätzt irgendwo zwischen 20% und 40%.

Der 4 Sterne Aktivfan (“Creator”): Hier wird meiner Meinung nach eine wichtige Schwelle überschritten: aus einem passiven, “nur interessierten” Fan wird jemand, der irgendwie aktiv werden möchte und ein besonders hohes Interesse an dem Film hat. Das können diejenigen sein, die Kriegsanleihen oder Merchandise kaufen und/oder regelmäßig Tweets von Energia retweeten oder auf ihrem Blog immer mal wieder darüber berichten oder dorthin verlinken. Das sind diejenigen, die auf jeden Fall selbst ein Kinoticket kaufen werden. Aber der 4 Sterne-Fan fungiert auch als Multiplikator, indem er aktiv andere auf den Film aufmerksam macht. Letztlich kann sich eine Filmproduktion nur über verkaufte Kinotickets und DVDs refinanzieren, insofern ist der 4 Sterne Fan in zweifacher Hinsicht besonders wichtig: als potentieller Kinobesucher und als Multiplikator. Bei der Google-Blog-Suche findet man derzeit etwa 15.000 Treffer für Ironsky, davon sind etwa 30% nicht relevant, macht etwa 10.500 Blogeinträge. Bisher habe ich noch keinen Weg gefunden, wie man die Anzahl von Tweets herausfinden kann zu bestimmten Themen / Hashtags (Nachhilfe ist gerne willkommen!). Aber auch ohne Tweets zeigen die 10.500 Blogeinträge, dass das 10% Modell hier schon überhaupt nicht mehr zutrifft…

Der 5 Sterne Mitmachfan (“Collaborator”): die Königsklasse, die besonders gepflegt werden sollte, die aber auch zum harschen Kritiker werden kann. Das sind Menschen, die sich nicht nur für den Film interessieren, sondern sich auf irgendeine Weise damit identifizieren und diesen aktiv mitgestalten möchten, so man sie lässt. Im Nachgang zu ihrem ersten Film “Starwreck” haben die Finnen die Plattform Wreckamovie gemeinsam mit einer Partner-Firma entwickelt. Wreckamovie versteht sich als kollaborative Filmproduktionsplattform. Iron Sky ist einer der dort eingetragenen Filme, und über diese Plattform werden die Fans immer wieder zum Mitmachen aufgefordert. Dafür werden Aufgaben / Tasks bei Wreckamovie gepostet: Mal werden Statisten gesucht, mal gibt es Recherche-Aufträge aus dem Art Department: wie sehen die Einschlaglöcher von gewöhnlicher Munition in Metall aus oder Anregungen und Bilder werden gesucht, wie die Explosion eines mit “Helium 3″ (einem fiktiven Antriebsmittel) betriebenen Raumschiffs aussehen könnte. Auch die eingangs erwähnte Zeitschrift “The Truth” wurde über Wreckamovie entwickelt. Titel und Logo der Zeitung waren von den Fans gestaltet worden, ebenso schrieben sie diverse Artikel. Wreckamovie weist 1.400 Mitglieder für die IRON SKY Produktion aus (auch da liegen wir also deutlich über den 10%). Eine andere beliebte Variante, um Fans einzubinden und auch ihnen etwas zurück zu geben sind Remixe. Man stellt Musik- oder Videomaterial bereit und bittet die Fans darum, daraus etwas neues zu bauen. Vom IRON SKY Trailer finden sich immerhin 44 Remixe in der entsprechenden Playlist von Energia Productions.

Noch ein Wort zu den 5-Sterne-Fans aus denen manchmal Kritiker werden: Bei Starwreck haben mehrere Tausend Leute Raumschiffmodelle entworfen, CGI-Effekte gebastelt, 30 Sprachversionen übersetzt usw. Vor allem als Tribut und Dank an die überwältigende Unterstützung der Fans wurde Starwreck kostenlos zum Download ins Netz gestellt und wurde so zum meist gesehenen finnischen Film aller Zeiten. Doch für Ironsky hatten die Macher andere Ambitionen. Dieses Mal wollten sie eine große Filmproduktion auf die Beine stellen. Zur Finanzierung dieses vier bis fünf Millionen Euro Unterfangens wurden Produzenten an Board geholt, Filmförderung beantragt usw. Deshalb ist klar, dass Ironsky nicht zum kostenlosen Download angeboten werden wird. Darüber sind eine ganze Reihe von Starwreck-Fans nicht besonders glücklich, der Begriff vom “Sellout” machte die Runde. Gerade die kollaborative Filmproduktion und die kostenlose Verbreitung hatten Starwreck zu einem ganz besonderen Projekt gemacht. Die Macher begegneten dieser Kritik mit Verständnis, aber auch einem klaren eigenen Standpunkt: Wir wollen als Filmemacher jetzt einen anderen Film machen, haben einen anderen qualitativen und ästhetischen Anspruch an die neue Produktion. Deshalb sind die kollaborativen Aspekte der Ironsky-Produkion deutlich kleiner, hier sind erfahrene Filmleute am Werk, die dafür auch bezahlt werden. Deshalb ist dies eben auch ein Artikel über Filmmarketing und nicht über kollaborative Filmproduktion.

Die größte Herausforderung: Wie werden beiläufig Interessierte zu Fans?

Zu allererst gilt es festzustellen, dass diese Annahme, dass etwa 10% der Leute von einer Stufe zur nächsten wechseln, völliger Quatsch ist. Wie die Analyse der Zahlen gezeigt hat, scheint die höchste Hürde die zu sein, die Leute von Stufe 1 zu Stufe 2 zu bekommen. All jene, die zum ersten Mal auf der Filmwebsite, dem Film-Facebook-Profil, beim Filmtrailer auf Youtube landen, dazu zu bewegen, sich länger als nur für wenige Sekunden für den Film zu interessieren. Wie die Analyse im ersten Teil dieser Fallstudie gezeigt hat, sind auf der Website die Links zu den Präsenzen bei sozialen Netzwerken prominent platziert, bei Facebook, Twitter und Co. ist es ohnehin einfach, gleich Fan zu werden. Diese Lehre ist also so simpel wie wesentlich: Den Interessierten muss es leicht gemacht werden, sich mit dem Film in irgendeiner Form zu verlinken (und ich muss wohl auch noch mal an das Design für dieses Blog ran *Haare rauf*).

Das ist für mich die erstaunlichste Erkenntnis dieser Analyse: Wie viele Menschen bereit sind, Zeit, Hirnschmalz, Kreativität für einen Film anderer Leute aufzuwenden. Wenn man sie einmal für das eigenen Projekt gewonnen hat, dann sollte man ihnen so viele verschiedene Möglichkeiten, wie einem nur einfallen, bieten, um in irgendeiner Form aktiv zu werden. Der eigenen Kreativität und der der Fans sind dabei keine Grenzen gesetzt!