Altmodische Handyfilme beim Mobile Film Festival
Gestern wurden beim zweiten deutschen Festival des Handyfilms im Roten Salon in Berlin die Preise verliehen. 170 Filme wurden eingereicht, eine Jury wählte die Preisträger aus und das Publikum sms-te für den Publikumspreis. Immerhin war der Spiegel dabei und die Gewinnerin erhielt 1000€ Preisgeld für ihre mysteriös-melancholische Adaption einer Kurzgeschichte von Anna Schnatz. Erfreulich, dass die Veranstalter Bargeld offerierten und es nicht nur Ruhm und Ehre zu gewinnen gab. Die Preisträger, aber auch die 166 anderen Teilnehmer, die leer ausgingen, haben dafür aber einen hohen Preis bezahlt.
Fragwürdige Teilnahmebedingungen
Folgende Bedingung schmarotzten die Veranstaltern den Machern der Handyfilme ab:
“Beginnend mit dem Festival ist Mobilevent für die Dauer von zwei Jahren berechtigt, ohne Gegenleistungen auf der Internetseite des Mobile Film Festivals sowie auf den Internetseiten der Medienpartner des Festivals auf nicht-kommerzieller Basis und zum Zweck der Bewerbung der Filme, der Teilnehmer und des Festivals, die zugelassenen Filme zu zeigen. [...]Die Teilnehmer gestatten dies ausdrücklich und verpflichten sich, ab Beginn des Festivals für die Dauer von zwei Jahren keine anderweitigen Exklusivrechte für die zugelassenen Filme zu vergeben.” (Hervorhebungen von mir)
Meiner Kenntnis nach würde sich in der Filmbranche kein Mensch auf derlei Bedingungen einlassen. So weit ich weiß, ist in den Teilnahmebedingungen der Filmfestivals die Anzahl der Vorführungen genau definiert und die Veranstalter verpflichten sich, alle darüber hinaus gehenden erst von den Produzenten genehmigen zu lassen. Nun erfordert das Internet da sicherlich andere Richtlinien. Doch werden die Filmemacher hier jeglicher Chancen beraubt, mit ihren Filmen auch nur einen Cent zu verdienen. Wie weit wird mobile TV sich innerhalb der nächsten zwei Jahren verbreiten? Sicherlich rasant. Doch leider haben die Teilnehmer dieses Festivals nicht die Gelegenheit, aus ihren Filmen Kapital zu schlagen. Und was will mobilevent überhaupt mit den Rechten an 170 deutschen Filmen, zumal die Website des Unternehmens ausschließlich auf Französisch existiert?
Neue Plattform, alter Stil
Aus meiner Sicht ist auffällig und bedauerlich zugleich, dass sowohl die Gewinnerfilme als auch die anderen Einreichungen, die ich mir angeschaut habe, alle noch “old school” sind: Kurzfilme in klassischer Fernseh- oder Kinomanier. Kleine, in sich abgeschlossene Geschichten, die man auch auf einem Studentfilmfestival hätte sehen können, mit Kamerafahrten, aufwendiger Vertonung und allem Pipapo. Wenige nur haben sich die spezifischen Eigenschaften des Mobiltelefons zu eigen gemacht: man hat es überall dabei, es ist klein und wendig, ein Begleiter des Alltags, über den heute vor allem junge Leute mit ihren Freunden in Kontakt bleiben. Statt dessen gibt es traditionelle Kurzfilmkost auch bei diesem Festival.
Dies ist den Filmemachern nicht vorzuwerfen, vermutlich liegt es an der Auswahl der Jury. Von den 7 Jurymitgliedern kommt nur Thomas Munz, Kurator der Transmediale, aus dem Bereich der digitalen Medien. Alle anderen sind Schauspieler und Produzenten aus Film und Fernsehen, die scheinbar ihren Sehgewohnheiten aus Film, TV und Kasperletheater gefolgt sind.
Um es anders und sehr zynisch auszudrücken: An meinem Geburtstag zeigte mir ein Bekannter, der bei der Einsatzbereitschaft der Berliner Polizei arbeitet, einen Film auf seinem Handy: es ruckelte, pixelige Artefakte bei jeder Bewegung, Schreie und unterdrückte Rufe, ab und an nur zu verstehen: “Ey, Alter, Dich kriegen wir.” “Los ey, hau schon zu.” Zu sehen war ein Pulk junger Männer, die einem einzelnen Typen mit Kapuzenpullover hinterher rannten, ihn traten und prügelten. Er versuchte zu fliehen, hielt seine Arme schützend über seinen Kopf. Einer der Verfolger filmte all das mit seinem Handy. Irgendwie kam die Polizei an das Handy und damit auch an den Film und diese Dokumentation einer Straftat, nämlich Körperverletzung. Mir blieb der Geburtstagskuchen im Halse stecken.





