“Bits wollen frei sein!” Nr. 2: Digital Film Camp

Ganz anders als bei der Republica ging es beim ersten digitalen Film Camp in Berlin zu, dass am 17.04. in der Homebase stattfand. Statt des wohligen Wir-aufrechten-Kämpfer-für-Creative-Commons-und-weltweite-Redefreiheit-Gefühls, plagten die Runde Zweifel und Unsicherheit. Woher soll das Geld für die nächste Produktion kommen, wenn der aktuelle Film kostenlos im Netz zu haben ist? Welche Vorbilder gibt es für den kreativen Einsatz von online Marketing für Europäische low-budget Filme?
Konkrete Antworten gab es nicht beim Digital Film Camp. Doch erhielt man ein sehr gutes Stimmungsbild, was die Filmbranche gerade bewegt. Alle wissen, dass sie sich wohl irgendwie mit dem Internetz auseinander setzen müssen, dass es mindestens als Marketing- und Vertriebsplattform viele Chancen bieten kann. Aber wie diese genau genutzt werden können oder wie man das Netz gar kreativ einsetzen kann, um mit filmischen Mitteln eine Geschichte zu erzählen, darüber herrschte große Ratlosigkeit.
Die Themenbandbreite war spannend:
//Marketing und Distribution für Filme über das Internet
//Produktion für das digitale 3D-Kino
//Schrecklich erfolgreiche Videos auf Youtube
//Live Cinema (non-lineare Filme performed von VJs)
//Filmvermarktung in der virtuellen 3D-Welt Twinity
Richtig hitzig wurde die Debatte erst bei der von Tillmann Allmer, Sven Assmann und meiner Wenigkeit moderierten Diskussion zu Vermarktungsstrategien für Filme im Netz. Die Position „Unter keinen Umständen irgendwelche Rechte am filmischen Werk zur Verfügung stellen“ traf auf „Bits wollen frei sein!“ und „Embrace it or die!“ Statements. Die künftigen Verhältnisse werden sich wohl irgendwo zwischen diesen Polen einpendeln.
Wer sich dafür interessiert, dem sei die Aufnahme einer Paneldiskussion beim diesjährigen Sundance-Festival ans Herz gelegt, in der konkrete Beispiele für erfolgreiche Strategie genannt und konstruktiv diskutiert werden: Klick für Video von Teil 1 und von Teil 2. Am pointiertesten stellte eine Filmemacherin die derzeitige Situation dar, die ich, da ich den Podcast gehört habe und die Redner ihre Namen nicht nannten, leider nicht identifizieren kann:
„We hope to be pirated. It’s the sincerest form of flattery. Any way to spread the word about your movie is great PR. Somebody gets a hold of your movie on Bit-Torrent and they tell someone else and maybe they buy it or tell someone else again and that’s what we want.“
Von dieser Haltung war die in der Homebase versammelte Runde sehr weit entfernt. Leider hatte beim Berliner Digital Film Camp noch niemand konkrete eigene Erfahrungen vorzuweisen, welche Strategie funktioniert, was man alles falsch bzw. richtig machen kann. Schade, so wurden vor allem US-Beispiele zitiert und Tim Baumann, ein Informatikstudent, der sich an die Produktion eines Open Source Films gewagt hat, fehlte die Erfahrung in der Filmbranche, um Potentiale und Bedrohungen einschätzen zu können. Hoffentlich ist das bis zum nächsten Camp am 6. November im Rahmen des Interfilm Kurzfilmfestivals anders!
Ich hatte noch eine kleine Sammlung von aus meiner Sicht hilfreichen Links zum Thema für das Digital Film Camp vorbereitet. Diese Links finden sich teilweise in meiner Blogrolle und eine etwas ausführlichere Liste in der nachfolgende Präsentation mit kurzen Kommentaren dazu.
Andere Artikel
- « “Bits wollen frei sein!” Nr. 1: Republica 09
- » Kultursponsoring im Wirtschaftskrisenjahr: In jedem Sessel ein potentieller Kunde?





