Altmodische Handyfilme beim Mobile Film Festival

Gestern wurden beim zweiten deutschen Festival des Handyfilms im Roten Salon in Berlin die Preise verliehen. 170 Filme wurden eingereicht, eine Jury wählte die Preisträger aus und das Publikum sms-te für den Publikumspreis. Immerhin war der Spiegel dabei und die Gewinnerin erhielt 1000€ Preisgeld für ihre mysteriös-melancholische Adaption einer Kurzgeschichte von Anna Schnatz. Erfreulich, dass die Veranstalter Bargeld offerierten und es nicht nur Ruhm und Ehre zu gewinnen gab. Die Preisträger, aber auch die 166 anderen Teilnehmer, die leer ausgingen, haben dafür aber einen hohen Preis bezahlt.

Fragwürdige Teilnahmebedingungen

Folgende Bedingung schmarotzten die Veranstaltern den Machern der Handyfilme ab:

“Beginnend mit dem Festival ist Mobilevent für die Dauer von zwei Jahren berechtigt, ohne Gegenleistungen auf der Internetseite des Mobile Film Festivals sowie auf den Internetseiten der Medienpartner des Festivals auf nicht-kommerzieller Basis und zum Zweck der Bewerbung der Filme, der Teilnehmer und des Festivals, die zugelassenen Filme zu zeigen. [...]Die Teilnehmer gestatten dies ausdrücklich und verpflichten sich, ab Beginn des Festivals für die Dauer von zwei Jahren keine anderweitigen Exklusivrechte für die zugelassenen Filme zu vergeben.” (Hervorhebungen von mir)

Meiner Kenntnis nach würde sich in der Filmbranche kein Mensch auf derlei Bedingungen einlassen.  

Sternstunden des Kultursponsorings

Auch wenn ich partout keinen aktuellen Aufhänger mehr finden kann, so möchte ich doch die Ergebnisse meiner Recherchen nicht in den Mülleimer werfen und sie statt dessen hier verspätet zum Thema Kultursponsoring am Beispiel der Berlinale posten.

Noch mal zur Rekapitulation aus dem Sponsoringleitfaden (sämtliche Quellenangaben finden sich am Ende des Beitrags) und weil’s so ein feines Zitat für diesen Artikel ist:
„Sponsoren sind es, die den Gesponserten die Erreichung ihrer Ziele ermöglichen. Sie verlangen als Gegenleistung den Image-Transfer. Bildlich ausgedrückt: Wer mit aufs Bild will, der muss dafür bezahlen.“

Medien, Autos, Haarspray

Berlinale BärDie Berlinale hatte in 2008 drei Hauptsponsoren: das ZDF, Volkswagen und L’Oréal Paris. Das ZDF als Medienpartner, in VW-Fahrzeugen wurden die Promis chauffiert und L’Oréal? Den Plakaten am Potsdamer Platz konnte niemand entgehen: Ein Foto von Penelope Cruz mit – diese Anmerkung sei erlaubt – einem schlimmen, ums Gesicht drapierten Lockenkorb, dazu eine goldene Haarspray-Dose. Alles in einem edlen schwarzen Design, betitelt als „Sternstunden der Schönheit“.

Vorbild Berlinale

Die Partnerschaft zwischen der Berlinale und L’Oréal hat aus meiner Sicht, allein an den Zahlen gemessen, echten Vorbild-Charakter in Sachen Kultursponsoring:

Die Sponsoringeinnahmen deutscher Kulturinstitutionen belaufen sich derzeit auf 6,7% des Gesamtetats (Studie der Agentur Causales), der zu 51% aus öffentlichen Töpfen finanziert wird. Meinen Berechnungen zufolge, kommen in 2008 etwa 27% der Berlinale-Einnahmen aus Sponsoring (Details: siehe Quellen am Ende). Damit sind bei der Berlinale die Einnahmen aus Sponsoring vier Mal höher als sonst im Kulturbereich üblich.
Estimated Berlinale Budget 2008

Eine andere Studie (Agentur Pleon) zeigt, dass der Sponsor die mit dem Engagement verbundenen Ausgaben zu 74% direkt an den Sponsoren zahlt und 26% für die Umsetzung ausgibt. Angesichts des ungewöhnlich umfangreichen Maßnahmen-Pakets, das L’Oréal um die Berlinale 2008 herum geschnürt hat, würde ich spekulieren, dass sich das Verhältnis in diesem Fall eher umgekehrt verhält.

Was hat das Sponsoring-Paket umfasst?

Was die Sponsoring-Pakete genau enthalten und wie viel sie gekostet haben– das wird natürlich nie veröffentlicht. Um jedoch ein Gefühl für die Größenordnung zu erhalten, habe ich „rückwärts gerechnet“. Die Berlinale hat einen Gesamtetat von 17 Millionen Euro. Nach ausführlicher Recherche habe ich errechnet, dass die Berlinale 2008 aus Sponsoring 4,6 Millionen Euro eingenommen hat. Ich tippe, dass ich plus/minus 1 Million daneben liege. 3 Hauptsponsoren + 60 andere Sponsoren => vermutlich hat L’Oréal 1 Million Euro für das Privileg gezahlt, Sponsor der 58. Berlinale sein zu dürfen.  

Schöne Franzosen in einer Stadt mit Zukunft

Zum ersten Mal verlieh der Marketing Club Berlin den M – Berlin Marketing Award (bereits Ende Februar). Da freut sich das Bloggerin Herz zunächst, denn eine Kampagne aus dem Bereich Kulturmarketing wurde mit dem Sonderpreis “M – für die Region Berlin-Brandenburg” ausgezeichnet: die Kampagne zur Ausstellung französischer Meisterwerke des 19. Jahrhunderts, die das Metropolitan Museum of Art im Sommer 2007 nach Berlin schickte, während daheim in New York das Museum saniert wurde.

Die schönsten Franzosen...Die von Metadesign umgesetzte Kampagne unter dem schönen Namen“Die schönsten Franzosen kommen aus New York” war in jenem kühlen Sommer in Berlin nicht zu übersehen gewesen. Überall prangten die Plakate, der eingängige Titel, der so einen frischen Kontrast zu sonst üblichen Ausstellungstiteln bildete, dazu der blau-rot-weiß gestreifte Rand eines Luftpostbriefs, der alle Kommunikation umrahmte. 400.000 Besucher waren erwartet worden, 680.000 kamen. Da freuten sich die Veranstalter sicherlich. Das Ziel war erreicht worden, die Kampagne war im Gedächtnis haften geblieben (fast immer ein gutes Zeichen!), mein Vater hat sie sich angesehen und den kann man ganz sicher nicht zur üblichen Bildungsbürger-Klientel für Kunstausstellungen rechnen. Da ist der Preis (und die drei anderen, die Metadesign zuvor schon damit gewonnen hatte) sicher verdient!

Und doch bleibt ein saurer Nachgeschmack

 

Das Vorwort

Künftig möchte ich hier aus meinen beruflichen Erfahrungen in Sachen Kulturmarketing berichten. Praktische Tips, Analysen und Reflektionen zur eigenen Arbeit, natürlich auch Berichte von anderen Veranstaltungen, Gedanken zur Vermarktung von Kultur in der Hauptstadt – das alles soll hier ein bis zwei Mal pro Monat erscheinen.

Meine Erfahrungen aus sechs Jahren Marketing für Privatkunden- und Geschäftskundenprodukte der Telekommunikationsbranche werden indirekt einfließen. Vor allem aber wird mir die tägliche berufliche Praxis als Projektmanagerin an der Hochschule für Film und Fernsehen “Konrad Wolf” in Babelsberg (kurz HFF Potsdam) als Grundlage für die Betrachtungen dienen. Derzeit bin ich vor allem für die Planung, Finanzierung, Vermarktung, Organisation und Durchführung der Veranstaltung INSIGHT OUT / HFF Academy – Digital Production in Film & TV verantwortlich. Deshalb möchte ich diese hier kurz vorstellen. Dies macht sich am besten anhand eines Artikels, den ich für das monatlich erscheinende Magazin “Forum” der Industrie- und Handelskammer Potsdam geschrieben habe.

Banner INSIGHT OUT animiertes GIF

 

Webcuts.07: merkwürdige Gefühle, Traumhaftes und Göttliches

Webcuts.07 war wieder eine schöne und inspirierende Veranstaltung. Reif und rund sind die beiden Attribute, die sich dazu am Donnerstag Abend in meinem Kopf festsetzten.

Podiumsplaudereien

Podiumsdiskussion Webcuts.07, 11.10.07 Foto von Sven Assmann

Zum ersten Mal in meinem Leben moderierte ich eine Podiumsdiskussion, die im Vorfeld der eigentlichen Preisverleihung stattfand. Etwa 30-50 Interessierte nippten und nibbelten an Proseccogläsern und Häppchen in der gemütlichen Bar ganz hinten, ganz unten im CineStar. Mit mir auf dem Podium waren (auf dem Foto von rechts nach links): Dr. Karin Wehn, Medienwissenschaftlerin an der Uni Leipzig und Geburtstagskind des Tages; Marc Schleiss, Animator und Regisseur und einer der Gewinner von Webcuts.06; Eckhard M. Jäger, Gründer von Webcuts und Tillmann Allmer, Kurator und Distribution Manager bei interfilm Berlin. Es war für mich eine ungewohnte Situation: Da sass ich also mit 4 schwer sympathischen Experten zum Thema ‘Film im Internet’ auf dem Podium, hatte das Glück, dass ich ihnen ganz viele Fragen stellen durfte und eine Schar Menschen hörte unserem Gespräch zu. Merkwürdiges Gefühl.

And the winner is…

Danach ging es gleich weiter mit der Preisverleihung.  

Webcuts.07 am 11.10.07

Webcuts07_logo

Es ist wieder soweit: Am 11. Oktober werden auf der ganz großen Leinwand im CineStar Original am Sony-Center die besten Internetfilme des vergangenen Jahres prämiert. Ich durfte einer der Sitzungen zur Auswahl der eingereichten Filme beiwohnen und kann berichten, dass es wieder viele spannende Filme zu sehen geben wird. Im letzten Jahr waren viele der Filme recht düster und eher pessimistisch in ihrer Grundstimmung. Ich bin gespannt, ob in 2007 vielleicht wieder die knallig-bunte, heitere und experimentier-freudige Ästhetik von kurz nach der Jahrtausendwende zu sehen sein wird. Schließlich ist nicht nur in diesem Lande die Wirtschaft wieder im Aufschwung.  

Digitaler Sommer 2007

… und ich bin dabei! An der Universität der Künste findet nun schon zum dritten Mal ein Weiterbildungskurs zu digitaler Kommunikation statt. Ich habe mir die Module “Digitale Interaktion – Theorien, Tools, To Dos” und “Online Kommunikation effizient gestalten” ausgesucht.

Das ist doch ein guter Anlass, dieses schon etwas modrig riechende Blog aus dem digitalen Archiv zu holen, ihm den Staub von den Pixeln zu klopfen und mal wieder einen Beitrag zu posten.

Heute am ersten Tag gab es viel spannende Theorie und ein paar erste Aufgaben für uns Teilnehmer. Im ersten Praxisteil sollten wir ein Wordpress-Blog anlegen – war nicht mehr so ganz neu für mich ;-) Die Referenten hatten am Nachmittag große Schweißperlen auf der Stirn, denn die Internetverbindung für das gesamte Institute of Electronic Business war einfach kaputt. Erich hatte das Licht ausgemacht und Liebesgrüße an Colt geschickt. In der neuen-alten offline Welt haben wir aber immerhin noch ein gemeinsames Wiki aufgesetzt.

Die größte Freude des Tages bescherte mir jedoch der Encyclopädien-Vandalismus, den wir auf dem ganz großen Wiki betrieben haben. Es dauerte keine 60 Sekunden, da war unsere Verunglimpfung des Beitrags zur Quantenphysik schon wieder gelöscht. Das hat mich mächtig beeindruckt. Es gibt also tatsächlich Menschen, die sich Änderungen an Wikipedia-Einträgen als Feed abonniert haben. Wow. Der Retter der Quantenphysik lebt auch noch an der Havel und machte in seinem Benutzerprofil-Eintrag einen geradezu sympathischen Eindruck.

Fazit: Tag Nr. 1 und schon muss ich meine Vorurteile revidieren. Kennzeichen eines guten Kurses!

Und morgen dann hoffentlich wieder mit Verbindung an’s Internetz…