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	<title>Kultur // Film // Marketing im Internetz &#187; transmediale</title>
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	<description>Kulturmarketing und Film im digitalen Zeitalter // Ein Blog von Jennifer Hoffmann</description>
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		<title>Transmediale 09: Gef&#252;hlsk&#228;lte im tiefen Norden?</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Feb 2009 21:24:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jennifer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die <a href="http://www.transmediale.de">transmediale.09</a> ging gestern zu Ende. Da ich nur einige Stunden am Freitag Zeit hatte, mich vor Ort im Haus der Kulturen der Welt umzuschauen, soll dies hier keine ausf&#252;hrliche Kritk des Festivals werden, sondern eine lose Sammlung von Gedanken und Impressionen dazu bieten. [...]Flimmernde Bildschirme, Projektionen auf den Planen und entr&#252;ckte Soundlandschaften dominierten die Ausstellung. Mit den meisten Werken tat ich mich sehr schwer, sie blieben mir fremd, die eine oder andere Idee war interessant, doch nur Weniges ber&#252;hrte mich in irgendeiner Weise. Die meisten Werke transportierten f&#252;r mich die emotionale K&#228;lte des Mottos. Zwei St&#252;cke m&#246;chte ich kurz darstellen, eines das ich ausgesprochen gelungen und auf hohem k&#252;nstlerisch-technischem Niveau fand und eines, das zwar irgendwie interessant war, aber doch zu abstrakt blieb.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-97" style="margin: 5px; float: left; title=" src="http://www.jenniferhoffmann.com/wp-content/uploads/transmediale09.jpg" alt="transmediale.09 postcard" width="312" height="177" />Vor zwei Tagen ging die <a href="http://www.transmediale.de">transmediale.09</a> zu Ende, die ganz im Zeichen des Klimawandels gem&#228;&#223; dem diesj&#228;hrigen Motto &#8220;Deep North&#8221; stand. Da ich nur einige Stunden am Freitag Zeit hatte, mich vor Ort im Haus der Kulturen der Welt umzuschauen, soll dies hier keine ausf&#252;hrliche Kritk des Festivals werden, sondern nur ein paar Bemerkungen vor allem zur Ausstellung bieten.</p>
<h2>Fl&#252;chtlingslager zum Netzwerken</h2>
<div id="attachment_99" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-medium wp-image-99" title="transmediale09_foyer_web" src="http://www.jenniferhoffmann.com/wp-content/uploads/transmediale09_foyer_web-500x333.jpg" alt="Transmediale Foyer designed by Raumtaktik" width="500" height="333" /><p class="wp-caption-text">Transmediale Foyer designed by Raumtaktik</p></div>
<p>Beim Betreten des Hauses der Kulturen der Welt &#252;berraschte einen sogleich das eigenwillige, provisorische und wie ich fand gro&#223;artige Aussstellungsdesign des Berliner B&#252;ros <a href="http://www.raumtaktik.de/">Raumtaktik</a>. Holzlatten, Planen, Wellblechst&#252;cke und Sperrholzplatten waren im Foyer und der Ausstellungshalle verspannt und genagelt zu tempor&#228;ren Schutzecken. In diesem Berliner Inneraum schaute es aus wie sonst an asiatischen K&#252;sten nach einem Taifun, wo Menschen die wenigen verbliebenen Baumaterialien zu Notunterk&#252;nften zusammenzimmern.<span id="more-96"></span> Zwischen diesen Verschl&#228;gen waren Schaumstoffmatrazen hingeworfen, auf denen die Festivalbesucher diskutierten, einfach nur abhingen oder am Laptop computerten. Klug und preiswert zugleich: Dank der Matrazen herrschte eine l&#228;ssig-lockere Atmosph&#228;re, die zum Verweilen und Austausch mit dem Menschen, der neben einem auf der Matraze ruml&#252;mmelt, einlud.</p>
<h2>Die Ausstellung: transmediale award</h2>
<p>Flimmernde Bildschirme, Projektionen auf den Planen und entr&#252;ckte Soundlandschaften dominierten die Ausstellung. Mit den meisten Werken tat ich mich schwer, sie blieben mir fremd, die eine oder andere Idee war interessant, doch nur Weniges ber&#252;hrte mich in irgendeiner Weise. Die meisten Werke transportierten f&#252;r mich die emotionale K&#228;lte des Mottos. Zwei St&#252;cke m&#246;chte ich kurz darstellen, eines das ich ausgesprochen gelungen fand und durch ein hohes k&#252;nstlerisch-technisches Niveau auffiel und eines, das zwar irgendwie interessant war und f&#252;r das Anliegen der Transmediale durchaus repr&#228;sentativ ist, f&#252;r mich jedoch zu abstrakt blieb. Au&#223;erdem gibt es noch 4 online Projekte, die quasi eine online Erweiterung der Ausstellung sind und auch nach dem Ende des Festivals noch besucht werden k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Esther Polak: NomadicMilk</strong><br />
<a href="http://www.transmediale.de/en/files/imagecache/tm_medium_width318px/artworkimages/polak__090117wsidiris03_0.jpg" rel="lightbox[96]"><img class="alignleft" style="margin: 5px; float: left; title=" src="http://www.transmediale.de/en/files/imagecache/tm_medium_width318px/artworkimages/polak__090117wsidiris03_0.jpg" alt="polak  090117wsidiris03 0 Transmediale 09: Gefühlskälte im tiefen Norden?" width="318" height="254" /></a>Mit Hilfe von GPS-Daten werden die Routen zwei sehr unterschiedlicher Milchtransporteure verglichen: Einerseits ein nomadisch lebender Kuhhirte vom Stamm der Fulani und zum zweiten ein LKW der Firma Peak Milk, die ihre Produkte bis in die hintersten Ecken Nigerias liefert. Das Projekt <a href="http://www.nomadicmilk.net/">NomadicMilk </a>ist relativ breit angelegt. Auf der Transmediale war nur ein geringer Ausschnitt davon zu sehen: kleine, knapp Schuhkarton-gro&#223;e ferngesteuerte Roboter mit 4 R&#228;dern und einer Plastikflasche gef&#252;llt mit Vogelsand oben drauf. Diese Roboter malten Sandlinien auf den Boden, die so die von Nomaden und LKW genutzten Routen visualisierten. Dar&#252;ber hingen Radios in der Luft, aus denen Tonmitschnitte mit Unterhaltungen mit den Protagonisten zu h&#246;ren waren. Dann wurde auch noch ein Video projeziert, dass die K&#252;nstlerin in Nigeria mit den Protagonisten zeigte, vor denen die Roboter Vogelsandlinien auf die rote, staubige Erde zeichneten.  Sicherlich hat dieses Projekt eine dokumentarisch-ethnologische Dimension, die ich nicht beurteilen kann, da mir das Fachwissen fehlt. Die Visualisierung und darauf basierende Analyse der verschiedenen Routen liefert bestimmt wertvolle Informationen, wenn man sich f&#252;r die Milchdistribution in Nigeria interessiert. Als Kunstinstallation fand ich die Bilder jedoch befremdlich. Da steht eine wei&#223;e Frau mit mehreren Nigerianer irgendwo in Afrika, gemeinsam starren sie auf diese kleinen sandlinien-malenden Roboter. Ich hatte sofort Assoziationen im Kopf von Europ&#228;ern, die im vermeintlichen Indien Glasperlen an die dort lebenden Menschen verteilen. Die Installation bekam dann noch eine absurde Dimension, als die K&#252;nstlerin mit einem kleinen Pinsel die Vogelsandlinien wieder „begradigte“, nachdem im Laufe des Tages mehrere Besucher diese etwas breit getreten hatten. Ich fand die k&#252;nstlerische Umsetzung, sprich die gestalterische Dimension der Installations, weder besonders ansprechend noch einfallsreich.</p>
<p><strong>Reynold Reynolds: Six Apartments </strong></p>
<div id="attachment_100" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-medium wp-image-100" title="reynolds_sixapartments_web" src="http://www.jenniferhoffmann.com/wp-content/uploads/reynolds_sixapartments_web-500x333.jpg" alt="Video still from Six Apartments" width="500" height="333" /><p class="wp-caption-text">Video still from Reynold Reynolds Six Apartments</p></div>
<p>Das Splitscreen-Video vom US-Experimentalfilmer <a href="http://www.reynold-reynolds.com/">Reynold Reynolds</a> gewann den zweiten Preis des transmediale Awards und war f&#252;r mich das &#252;berzeugendste Werk in der gesamten Ausstellung. Aus dem Katalogtext: „In einer poetischen Erz&#228;hlung von Resignation und Verfall portraitiert Reynolds in seiner Videoinstallation sechs Menschen in ihren Wohnungen. Isoliert voneinander, doch durch die Massenmedien Radio und Fernsehen miteinander verbunden, werden ihre undramatischen Lebensl&#228;ufe – essen, schlafen, fernsehen – zwar von Nachrichten &#252;ber die Probleme der Welt und bevorstehende Umweltkatastrophen &#252;berlagert, jedoch nicht weiter tangiert.“  Durch die Splitscreen-Technik sind immer zwei Wohnungen gleichzeitig zu sehen. Wenn ich das auf Reynolds Website recht verstanden habe, ist Six Apartments keine dokumentarische, sondern eine inszenierte Arbeit. Durch sehr geschickte und subtile Montage und ausgekl&#252;gelte Kamerafahrten beziehen sich die Bilder auf den zwei Leinwandh&#228;lften, die jeweils dargestellten einsamen Leben aufeinander ohne dass die Protagonisten etwas von einander ahnen. Das isolierte Leben in allen sechs Wohnungen steuert, qualvoll langweilig auf Tod und Verfall zu. Selten habe ich eine so beklemmende Darstellung des Lebens in urbaner Isolation gesehen. Wird so unser Dasein aussehen, wenn wir von Freunden und Nachbarn entfremdet in &#252;berfluteten Gro&#223;st&#228;dten vor der Flimmerkiste auf den Tod warten?</p>
<p><strong>Online Ausstellung</strong></p>
<p>Die Transmediale verlinkt von ihrer Website zu <a title="Selected Transmediale Net and Community Websites" href="http://www.transmediale.de/en/online-highlights-selected-web-and-net-community-p" target="_blank">4 online Projekten</a>, die auch nach dem Ende des Festivals im Web erreichbar bleiben. Dazu geh&#246;ren zwei spannende Browser-Plugins, die allerdings f&#252;r Europ&#228;er nicht wirklich von Nutzen sind: das <a title="Real Costs CO2 Plugin" href="http://therealcosts.com/" target="_blank">Real Costs Plugin</a> berechnet auf (nordamerikanischen) Fluglinien-Websites den CO2-Aussto&#223; f&#252;r die gew&#228;hlte Flugreise. Das <a title="Oil Standard Plugin" href="http://transition.turbulence.org/Works/oilstandard/" target="_blank">Oil Standard Plugin</a> ermittelt die Anzahl der &#214;lf&#228;sser zum gerade aktuellen &#214;lpreis f&#252;r beliebige $-Betr&#228;ge auf ausgew&#228;hlten Websites. Als h&#228;tte Finanzminister Steinbr&#252;ck die beiden Plugins zusammen mit der Abwrackpr&#228;mie erfunden <img src='http://www.jenniferhoffmann.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' title="Transmediale 09: Gefühlskälte im tiefen Norden?" /> </p>
<h2>Vom K&#252;hlschrank zu computer-basierter Kunst</h2>
<p>Im Filmprogramm habe ich zwei wunderbare Werbefilme aus den 60&#8242;ern gesehen, die die Segnungen des damals hochmodernen Eisfachs priesen (z. B. <a title="Transmediale Films" href="http://www.transmediale.de/en/melting-fridges-part-i" target="_blank">&#8220;Lebensmittel im Eisschlaf&#8221;</a> f&#252;r AEG), filmisch effektvoll im Stile der 60&#8242;er umgesetzt. Im Lichte dieses Vergleichs (damals aktuelle Themen werden mit den zu der Zeit modernsten Mitteln beschrieben) komme ich zu dem Schluss, dass die Transmediale 2009 ganz ihrem Anspruch gerecht wurde, mit Hilfe von Kunstwerken, die gegenw&#228;rtige Medientechnologien nutzen, eine Aussage zum Zustand unserer Gesellschaft zu treffen. GPS-Daten, Eyetracking, digitale Filmeffekte und elektronische Musik, die aus 5.1 Soundsystemen dr&#246;hnte &#8211; die K&#252;nstler setzten ein, was gerade der neueste Stand der Technik ist und stellten in ihren Kunstwerken kritische Fragen zum Zustand unserer Gesellschaft. Einige dieser Kunstwerke waren zumindest f&#252;r mich auch Ansto&#223;  zu Diskussionen mit Freunden und mehreren Webrecherchen zu bestimmten Themen. Wenn ein Festival dies zu leisten im Stande ist, dann machen die Macher etwas richtig. Trotzdem war dieses Befremden, das schulterzuckende &#8220;Das ist interessant, ber&#252;hrt mich aber nicht weiter&#8221; das vorherrschende Gef&#252;hl. Ob man dessen Ursache den Kunstwerken bzw. Festival zuschreiben sollte oder es als symptomatisch f&#252;r unsere Zeit deuten m&#246;chte &#8211; das ist schwierig zu beantworten. Reynold Reynolds Experimentalfilm &#252;berzeugte vor allem, weil er die technischen Mittel (VFX, komplizierte Kamerafahrten etc.) seiner k&#252;nstlerischen Vision unterordnete und ein konsequentes gestalterisches Konzept verfolgte. Bei vielen anderen Werken hatte ich oftmals das Gef&#252;hl, dass die K&#252;nstler sich in den technischen M&#246;glichkeiten verheddert hatten statt sich auf die KUNSTvolle Umsetzung ihres Themas zu konzentrieren.</p>
<p>Noch als Nachtrag f&#252;r alle, die die Transmediale nicht kennen:</p>
<h2>Was ist die Transmediale eigentlich?</h2>
<p>Die Transmediale wurde anno 1988 ins Leben gerufen, als eine Videofilmsektion der Berlinale f&#252;r all jene Filme, die auf elektronischen Medien basierten und so nicht in den Kontext eines normalen Filmfestivals gezeigt wurden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die transmediale weiter und wurde gr&#246;&#223;er: eine j&#228;hrliche Ausstellung, Konferenz und der Club Transmediale, der sich der elektronischen Musik und Clubkultur widmet, kamen hinzu, man zog in das Haus der Kulturen der Welt um, die Kulturstiftung des Bundes stieg als einer der Hauptf&#246;rderer ein f&#252;r dieses, wie es in der F&#246;rderbegr&#252;ndung der Kulturstiftung hei&#223;t, „Leuchtturmprojekt der Gegenwartskunst“. Mittlerweile tr&#228;gt die transmediale den Untertitel „festival for art and digital culture“ und bietet k&#252;nstlerischen und theoretischen Arbeiten eine Plattform, die „nicht nur auf neue technische Entwicklungen reagieren, sondern Einfluss auf die Art und Weise aus&#252;ben, wie wir diese Technologien erfahren. Die transmediale versteht Medientechnologien als Kulturtechniken, die man sich aneignen muss, um durch sie unsere heutige Gesellschaft verstehen, kritisieren und gestalten zu k&#246;nnen.“ (aus dem „&#252;ber uns“ Text von der Website). Jedes Jahr hat die Transmediale ein &#252;bergeordnetes Motto: Letztes Jahr war es „conspiracy“, dieses Mal ging es um den Klimawandel unter dem Titel „deep north“.</p>
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